Fragen

Aus meinen „Novembermeditationen“ 2007, Teil 2:

Wenn ich im Sommer an den November denke, denke ich zuerst an Nebel.

Nebel – alles grau in grau, kalt und düster.

Nebel – wie Spinnweben, die sich über die Landschaft legen.

Nebel – für unser Auge bleibt vieles unsichtbar, verdeckt hinter einer harten grauen Wand oder einem hauchzarten Schleier.

Nebel – er legt sich auf unser Gemüt, kann uns belasten. In einem Gedicht, auf das ich gestoßen bin, wird das so ausgedrückt: „Nebelschwaden hüllen Dich ein / schleichende Melancholie – / das Herz klopft langsamer“1.

In dichtem Nebel sehen wir nicht, was vor uns liegt. Wir irren umher. Auf der Suche nach einem Weg, Schritt für Schritt.

Nebel – der Weg ins Ungewisse, der Weg im Ungewissen. Nebel ist Symbol für die eigenen Ungewissheiten, für die eigenen Zweifel, die eigenen Fragen.

***

Hermann Hesse hat in seinem Gedicht „Im Nebel“ (http://www.hhesse.de/gedichte.php?load=imnebel) die menschliche Situation des Alleineseins sehr eingehend geschildert und mit dem Wandern im Nebel verglichen.

Einsamsein, Alleinesein ist der häufigste Anlass, sich Fragen zu stellen, Fragen über die Welt, Fragen über Gott, Fragen über die Mitmenschen und nicht zuletzt Fragen über sich selbst.

Dort, wo Fragen auftauchen, tauchen meist auf Zweifel auf. Dort, wo Fragen auftauchen, beginnt die Welt, mir nicht mehr ganz vertraut zu sein, unklar, dunkel zu werden.

Wann tauchen bei mir Fragen auf?

Nehme ich mir noch Zeit, manchmal in mich hineinzuhorchen, was in mir da ist?

Welche Fragen habe ich? …

Alltägliche? Tiefer gehende?

Fragen, die etwas in mir berühren? Die mich schmerzen?

Unbeantwortete Fragen?

Um es wieder in einem Bild zu sagen: Wo gehe ich durch den Nebel? Wo ist mein innerer Nebelschleier?

***

Wir haben uns jetzt die dunklen Seiten des Nebels angeschaut, das verwirrende Dickicht, die „graue Suppe“, die uns oft nicht den ganzen Weg erkennen lässt, sondern nur ein Stückweit. Vielleicht sind wieder alte, lang nicht mehr gestellte Fragen aufgetaucht.

Ich persönlich finde es von Zeit zu Zeit gut, diesen alten Fragen auch nachzugehen, ihnen nicht auszuweichen.

Ich lade Sie / euch dazu ein, sich noch einmal Zeit zu nehmen, sich zu überlegen, wo Zweifel, Ungewissheit und all die Fragen auch ihre gewinnbringenden Seiten haben, so wie der Nebel auch als schön erlebt werden kann – Bergsteiger können das bestätigen, wenn sie im Herbst über die Nebelgrenze hinauf gehen und von oben auf den weißen Teppich hinabschauen, der das Land bedeckt.

Wo erlebe ich einen solchen Ausblick auf meinen persönlichen Nebelteppich?

Wo kann ich mir meine Fragen so in aller Ruhe, wie von oben herab anschauen?

Welche Fragen, die mir vorhin gekommen sind, beschäftigen mich schon lange?

Will ich mir einmal Zeit nehmen, sie zu beantworten?

Mit wem tausche ich meine Fragen aus?

Gibt es auch Fragen, die mich glücklich machen? Zum Beispiel: Die Frage nach mir selbst? Wann geht es mir mit mir selber gut? Was kann ich dafür tun?

1 Aus: „Goldener Herbst …“ von „Symphonie“ (Quelle: http://www.keinverlag.de).

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