Sehnsucht

Für den Abschluss der „Novembermeditationen“ 2007 hatte ich mir (nach den eher schwermütigen) ein durchwegs angenehmes Thema ausgesucht – weil der November neben den schweren Seiten auch etwas Erfüllendes in sich birgt und auch den Ausblick,dass das, was abstirbt/vergeht, notwendig ist für neues Leben im neuen Jahr.

Im Spätherbst sind alle Zugvögel verschwunden. Sie haben ihr Sommerquartier verlassen, um in wärmere Gefilde zu fliegen. Wir können ihnen nur nachschauen, auf ihrem Weg in den Süden. In uns macht sich vielleicht die Sehnsucht breit, mitzufliegen, fort aus dem grauen Alltag …

Die Zugvögel werden im neuen Jahr zurückkommen. Und mit ihnen der Frühling und Sommer.

Zugvögel – sie verkörpern für mich die „Sehnsucht“.

Sehnsucht – ein weiter Begriff, ein Wort, das so offen ist, dass es alles umfängt, und vor allem das, was gerade nicht innerhalb bestimmter Grenzen abläuft.

Sehnsucht – wir sehnen uns nach vielem.

Sehnsucht … nach dem Ende der kalten Jahreszeit, nach Frühling und Sommer …

… nach Ruhe … wie uns sie Jesus verheißt:

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28)

… nach Liebe …

… nach Wärme und Geborgenheit …

… nach einem erfüllten Leben …

… nach einem wunderschönen Ort – „Fernweh“ – …

… nach einem Menschen, der uns versteht …

Sehnsucht … nach Gott …

Sehnsucht nach dem, was wir nicht haben, kann uns auch bedrücken, aber meist ist die Sehn-sucht der stärkste Antrieb, der uns sogar dorthin führt, wo wir scheinbar nicht hin können …

***

Wonach sehne ich mich? Wann spüre ich die Kraft der Sehnsucht in mir? Wohin hat sie mich schon geführt?

***

Anschließend hörten wir Texte aus dem Buch „Sehnsucht” von Ulrich Schaffer.

***

Für uns Christinnen und Christen ist die tiefste Sehnsucht die Sehnsucht nach Gott. – Psalm 42 ist ein Lied, das diese Sehnsucht treffend umschreibt:

Psalm 42

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,

so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.

Meine Seele dürstet nach Gott,

nach dem lebendigen Gott.

Wann darf ich kommen

und Gottes Antlitz schauen?

Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht;

denn man sagt zu mir den ganzen Tag:

«Wo ist nun dein Gott?»

Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke:

wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar,

mit Jubel und Dank in feiernder Menge.

Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

Betrübt ist meine Seele in mir,

darum denke ich an dich

im Jordanland, am Hermon, am Mizar-Berg.

Flut ruft der Flut zu beim Tosen deiner Wasser,

all deine Wellen und Wogen gehen über mich hin.

Bei Tag schenke der Herr seine Huld;

ich singe ihm nachts und flehe zum Gott meines Lebens.

Ich sage zu Gott, meinem Fels:

Warum hast du mich vergessen?

Warum muß ich trauernd umhergehen,

von meinem Feind bedrängt?

Wie ein Stechen in meinen Gliedern

ist für mich der Hohn der Bedränger;

denn sie rufen mir ständig zu:

«Wo ist nun dein Gott?»

Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

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