Predigtvorbereitung via Skype

Am Beginn des neuen Arbeitsjahres, das für mich jeweils am 1. September anfängt, erinnere ich mich noch einmal an einen Höhepunkt des vergangenen. Am 26. Juni diesen Jahres (13. So im Jahreskreis; Evangelium: Lk 9, 51-62) predigte ich erstmals gemeinsam mit einer Kollegin. Es war ein erster Versuch. Weit spannender als die Predigt selber war die Vorbereitungsphase,  zuerst ein Treffen in ihrer Pfarre, dann im Caféhaus ein erste gemeinsame, spontane Predigtauslegung mit dem Evangelium auf dem Tisch, und dann ein Chat auf Skype, der die Predigt simulieren sollte (gedacht war, den sich daraus ergebenden Dialog dann 1:1 vorzutragen, was aber nichts wurde, weil wir wegen der guten Vorbereitung dann frei am Text predigten).

Ich denke, dass es zumindest für KollegInnen oder auch Priester interessant sein kann, neue Wege der Auslegung alter Texte anzudenken und sich auch Anregungen zu holen. In diesem Sinne veröffentliche ich unseren (nicht bereinigten, noch immer mit den ursprünglichen Tippfehlern versehenen) Dialog; E ist meine Kollegin, R bin ich. Die nicht immer passenden Antworten ergeben sich aus der Methode; während der eine schon wieder einen weiteren Absatz abgetippt hat, schreibt die andere noch an der Antwort, und umgekehrt.

Ein großer Vorteil einer gemeinsamen Vorbereitung scheint mir die doppelte Sicht auf den Text zu sein; der Dialogcharakter erleichtert außerdem – durch Fragen und Rückfragen – die Vertiefung und schafft die Möglichkeit, das, was man ausdrücken will, bei einer Rückfrage noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und korrekter zu formulieren. Ich kann eine gemeinsame Predigt (hin und wieder) nur empfehlen – wenn die Chemie passt!

Die lange Originalversion gibt’s als PDF; hier nur der Beginn:

E: hallo

R: hallo zurück, gehts?

E: ja, funktioniert alles perfekt. so, jetzt können wir beginnen. wie schlägst du vor, dass wir anfangen?

R: vorbemerkung:

E: ???

R: ich denke, hab mir überlegt, dass wir an einem tisch platz nehmen, dass wir die predigt wie unseren cafebesuch halten

R: oder so ähnlich

R: 🙂

E: gut, also, wir gehen also den text noch einmal durch? (das evangelium?)

R: ja, ich denke, wir spielen das nach, wir treffen uns in einem cafe und dort gehen wir gemeinsam unsere ev-stelle durch …

R: (und die regieanweisungen eigentlich in klammer)

E: (Aha gut). Hallo Rainer. Schon lange nicht gesehen. Wie hat dir die Stelle beim durchlesen gefallen? (wie veröffentlichkeitsfertig soll unsere verwendete sprache sein?) kennen tun wir sie ja.

R: (so wie wir predigen werden) hallo elisabeth, schön dass du dich treffen willst mit mir um dieses evangelium zu besprechen!

E: ja, ich freue mich auch. selten, dass ich mit kollegen über eine bibelstelle spreche. normalerweise zerbreche ich mir immer alleine in meinem büro den kopf über diese sachen. bin schon neugierig, was du dazu zu sagen hast. Ich habe diese Stelle und Zitate daraus schon in vielen unterschiedlichen zusammenhängen gehört, aber um die botschaft wirklich auf den punkt zu bringen, muss man schon selber nachdenken und vor allem überlegen, was sie für einen selbst bedeutet. wie geht’s dir da? was ist dir beim durchlesen ins auge gesprungen? was waren deine ersten assoziationen?

E: (bist du noch da?)

R: (ja) Ich möchte die Stelle gern Vers für Vers mit dir durchgehen …

R: WObei ich mir denke, dass die ersten Verse nicht so wichtig sind, oder?

R: Immerhin geht es nur um eine Ortsangabe … Jesus geht nach Jerusalem

E: na ja, ich finde, dass erste vers was darüber aussagt, aus welcher geisteshaltung heraus der text geschrieben wurde. so was nennt man in der literarischen filmanalyse „foreshadowing“, also ein vorausschauen auf kommende ereignisse und das hat eine übernatürliche dimension

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