Veränderung liegt in der Luft – Gedanken zur Änderung meiner Gottesdienstpraxis

Die Pfarrer-Initiative ist im Gespräch. Ich befürworte mehrere Punkte ihres „Aufrufs zum Ungehorsam“ (v.a. die, die schon längst Realität sind), stimme aber nicht mit allem überein. Meine größten Schwierigkeiten habe ich mit der Aussage Nr. 4:

WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als „priesterlose Eucharistiefeier“ ansehen und auch so nennen.

Ich wehre mich dagegen, dass die von mir gehaltenen Gottesdienste, in denen das Wort Gottes gefeiert wird (woher die neue offizielle Bezeichnung „Wort-Gottes-Feier“ stammt) und an einigen Orten – wie auch bei uns in Auwiesen – anschließend die schon in einem früheren Gottesdienst von einem Priester gewandelten Hostien bei der Kommunionspendung ausgeteilt werden,  dass also die von mir gehaltenen Wort-Gottes-Feiern als „priesterlose Eucharistiefeiern“ angesehen werden. Was stört mich daran?

Einerseits das Wort „priesterlos“. Ich weiß selbst und alle anderen, die mitfeiern, wissen auch, dass ich kein Priester bin; es ist aber anstrengend, immer wieder von dem her, was man nicht ist, definiert zu werden. (Ständige Begleiterscheinung meines Berufsstandes.)  Würde ich also meine Gottesdienste gern „Eucharistiefeiern eines Pastoralassistenten“ nennen? Nein!

Weil ich andererseits (derzeit) keine Eucharistie im katholischen Sinn feiere und auch akzeptiere, dass sie den Priestern vorbehalten ist. Wenn es einmal möglich oder nötig werden wird, ja, dann kann ich mir vorstellen, mit einer Gemeinde, die ich gut kenne, Eucharistie zu feiern. (Aber das ist Zukunftsmusik.)

Ich muss zugeben, ich habe sogar (theologische) Schwierigkeiten mit der bisherigen Form der Wort-Gottes-Feiern (und habe das beim Feiern in den letzten Monaten auch gespürt, nämlich dass es nicht ganz stimmig ist für mich). Von der Liturgischen Kommission Österreichs wird empfohlen, keine Kommunion zu spenden. Bei uns (wie anderswo) ist es aber üblich, ist es Gewohnheit geworden. Es wird damit der Eindruck erweckt, wir bräuchten keine Eucharistie, die Kommunion kann auch so ausgeteilt werden. Voraussetzung, es sind genug gewandelte Hostien im Tabernakel. Priester können auch vor-wandeln…

Die vorgeschlagene Form, in der die Bibellesungen und das gemeinsame Gebet im Vordergrund stehen und keine Kommunion ausgeteilt wird, ist etwas, das wir in unserer Pfarre Marcel Callo in Auwiesen nicht gewohnt sind. Und es geht etwas zutiefst Christliches ab: das gemeinsame Essen des Brotes.

Brot. Nicht Hostien. Brot ist das Ursprüngliche. Bei den speziellen Gottesdiensten, für die gemeinsam Brot gebacken und dann geteilt wird (z.B. auf dem Firmwochenende), spüre ich und spüren andere schnell, hier geht es wirklich um den Alltag, um ein Stück Brot, das zum Leben dazugehört. Gottesdienst feiern heißt, den Alltag vor Gott bringen und uns und unseren Alltag dabei verwandeln zu lassen. Ein richtiges Stück Brot reicht, das zeichenhaft spürbar werden zu lassen.

Brot ist das Ursprüngliche. Jesus brach Brot(fladen) und teilte es (sie) aus. Die Urgemeinde hatte keine Hostien. Solange „Eucharistie“ stark mit „Hostien“ konnotiert ist, ist es ungefährlich (und sehr christlich), (auch) in einem „priesterlosen Gottesdienst“ (echtes) Brot zu teilen.

Brot teilen

Veränderung liegt in der Luft. In Tirol feiern (einige wenige) Laien die Eucharistie. Wie schon erwähnt, kann ich mir das (derzeit) nicht vorstellen, ebenso wenig wie meine Gottesdienste „priesterlose Eucharistiefeiern“ zu nennen. Ich möchte bewusst dazu auf Distanz und in eine andere Richtung gehen. Veränderung liegt in der Luft. Ich werde probeweise „meine“ (= die einmal pro Monat von mir gehaltenen) Samstags-Gottesdienste in Auwiesen in veränderter Form feiern. Reduziert auf das Wesentliche, konzentriert auf das Wort Gottes (die biblischen Lesungen), Kommunionspendung exkludiert (= ohne Hostien), aber dafür Agape als Abschluss inkludiert. Eine schlichte Agape, wie wir sie z.B. von Hochzeiten kennen, mit Brot und Wasser/Wein. Gemeinsam essen und trinken stärkt und verbindet.

Ich habe das Arbeitsjahr bewusst mit dem Lesen der Apostelgeschichte begonnen. In der Apg wird uns überliefert, wie nach dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi Christsein vor Ort, in den Gemeinden, bzw. im großen Ganzen, lebbar war. In unseren Pfarren leben wir die Apostelgeschichte weiter.

Die Apg kennt auch Überlieferungen der damaligen Gottesdienste. Sie hatten noch keine streng fixierte Form wie heute, aber die Elemente sind die selben: Gemeinschaft, Predigt, Gebete, Brot brechen und essen. Man aß sich satt (vgl. Apg 27,36.38). Es konnte auch dauern: Bevor Paulus Troas verließ, waren sie am 1. Wochentag versammelt, um das Brot zu brechen. Paulus redete ewig lang, seine Predigt dauerte bis nach Mitternacht. Im Obergemach, wo sie sich befanden, brannten viele Lampen. (Heute zünden wir Kerzen an.) Endlich – nach einer eingeschobenen Wundererzählung – brach Paulus das Brot und aß, und dann redete er mit ihnen bis zum Morgengrauen (vgl. Apg 20,7-12).

Paulus war Jude und Pharisäer, dann wurde er auch Christ. Paulus war kein katholischer Priester.

Die Sonntagsgottesdienste werde ich (vorerst) wie gewohnt feiern, weil die große Feiergemeinde andere Formen schwieriger zulässt. Außerdem ist unser sonntägliches Pfarrcafé ein Ort, an dem sowieso Agape im weitesten Sinn gefeiert wird, im Zusammensitzen und Essen/Trinken unter Christinnen und Christen.

Gottesdienstfeiern ist nicht mein Privatvergnügen, und darum werde ich auch die Mitfeiernden um ehrliche Kritik, um  Rückmeldungen und Vorschläge bitten. Gemeinsam werden wir in Auwiesen einen Weg finden, gut miteinander Gottesdienst zu feiern, lebensnah, schlicht, leicht zum Mitfeiern, christlich, und ohne zu merken, dass wir in dieser Stunde priesterlos sind.

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4 Antworten zu “Veränderung liegt in der Luft – Gedanken zur Änderung meiner Gottesdienstpraxis

  1. Danke für diesen guten Kommentar zur Eucharistie. Auch ich bin mit dieser Forderung der Pfarrerinitiative nicht zufrieden. Dennoch: Endlich tut sich was. Veränderung lieg tatsächlich in der Luft. Was wir jetzt tun müssen, ist: am Ball bleiben. Uns vernetzen, auch wenn wir nicht 100%ig einer Meinung sind.

    LG Michael

  2. Danke für deine Überlegungen zum Artikel 4 der Pfarrerinitiative.
    „Priesterlose Eucharistiefeier“ ist für mich ein Feier ohne Teilnehmer, weil ja jeder Getaufte und Gefirmte zum allgemeinen Priestertum gehört (1 Petr 2,9f).
    Dein vorgeschlagener Weg ist mir sehr sympathisch, weil so jeder Getaufte, von einer Gemeinschaft Beauftragte, einen Gottesdienst mit Agape leiten kann.
    Sollte die Zukunft der Kirche nicht überhaupt „ständelos“ sein? Es gibt ja genügend „Laien“ mit unterschiedlichen Talenten, die einer Gemeinde vorstehen könnten.

  3. Lieber Kollege!
    Danke für deine Überlegungen. Ich teile deine Bedenken bezüglich der Formulierung, wiewohl ich das Anliegen dahinter teile.
    Die Formulierung „priesterlos“ ist in der Tat problematisch. Da Jesus bei jeder Versammlung in seinem Namen von 2 oder 3 Getauften gegenwärtig ist und alle Getauften an SEINEM Priestertum teilhaben, ist es schlicht unmöglich von priesterlosen Gottesdiensten (in welcher Form auch immer) zu sprechen. Hier sieht man, dass selbst „fortschrittliche Priester“ noch in einem gewissen „Standesdünkel“ gefangen scheinen 😉
    Wie problematisch das ganze derzeit ist, bringst du gut auf den Punkt.
    Ich hab mir daher Gedanken über eine grundlegende Vereinfachung gemacht. Du findest sie hier:
    http://kathatbasis.wordpress.com/2011/09/19/priesterlose-eucharistiefeiern-gibt-es-nicht/?preview=true&preview_id=36&preview_nonce=a47d56ae2b

    Vielleicht regt dich das eine oder andere an/auf?

  4. Ich bin sehr froh wegen der vielen positiven Rückmeldungen, die ich in den letzten Tagen erhalten habe. Und dankbar über jede Anregung und über ähnliche, aber andere Sichtweisen. Die geäußerten Gedanken anderer sind für mich oft Anstoß, die eigenen Gedanken nochmals zu überdenken, zu verfeinern und notfalls zu verändern.

    Ich werde in den nächsten Wochen noch einmal ausführlich drüber schreiben und manche Gedanken der Kommentare hier auch einbeziehen. Es wäre einfach zu viel, das in einem kurzen Kommentar jetzt auch nur halbwegs ernsthaft zu versuchen.

    Interessiert bin ich an Erfahrungsberichten „anderer Gottesdienstformen“ – und das irgendwo zu teilen. Hätte jemand Lust, eine Internet-Sammlung von erprobten „neuen“ Gottesdienstformen mit aufzubauen?

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