Zornig, wütend, traurig, …

Ich bin vermutlich als eher ruhiger, besonnener, freundlicher, friedliebender Mensch bekannt – und will meistens auch so sein. Aber – derzeit zerreißt es mich fast bei manchen Themen, Aussagen, Nachrichten. Täglich.

Zornig, wütend, traurig, mit dem Kopf schüttelnd, so fühle ich mich derzeit.

Weil zu vieles zusammenkommt:

  • Weil Europa am Abgrund steht und gewählte und bezahlte Politiker (auch in Österreich) in Starre  verfallen und Durchhalteparolen ausgeben;
  • weil die einfachen Leute eines Landes im Süden Europas massenweise in die verordnete Armut getrieben werden, obwohl sie nur einen sehr geringen Anteil tragen an der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 und an den bedenklichen Finanzspekulationen derer, die Geld und Risiko mehr lieben als die Vernunft;
  • weil wir in unserer Kirche nicht mehr gut miteinander reden können – weil unsere Positionen so weit auseinanderliegen; weil jede(r) meint, er wisse, wie der Hase läuft; weil manche sowieso alles besser wissen; weil wir Sprachbarrieren haben; weil wir uns nicht trauen, etwas zu sagen; weil wir einander nicht wirklich und richtig zuhören; usw.;
  •  weil Menschen in unserem Land, die jahrelang über die weltweiten Verhältnisse gelebt haben, jetzt entweder nichts am System verändern wollen (weil es ihnen eh gut geht), oder gegen Sündenböcke schimpfen und schlechte Stimmung machen, zu ihrem eigenen (politischen) Vorteil (weil sie sich selbst als baldige Nutznießer der Macht sehen);
  • weil den jungen Menschen (und zu denen zähle ich mich noch), denen aller Voraussicht nach keine üppigen Zeiten bevorstehen, mit jeder falschen Entscheidung oder mit jeder Entscheidung, die aufgeschoben, aufgeschoben, aufgeschoben wird, immer weniger Möglichkeiten zur Gestaltung einer passablen Zukunft bleiben;
  • ja, und nicht zuletzt, weil weltweit Menschen als Freiwild gesehen und einfach abgeknallt werden – von beiden Seiten, den (scheinbar) „Guten“, und den (sogenannten) „Bösen“.

Die Welt ist im Argen. Ich will trotzdem weiterhin optimistisch sein. Fröhlich sein. Freundlich. Friedliebend.

Einmal tief durchschnaufen. Auch das hilft derzeit kaum. Klare Sicht täte uns allen gut. Da stoße ich wieder auf das bekannte „Gelassenheitsgebet“:

Gott, schenk mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

(leicht überarbeitete Fassung des sonntäglichen Gemeindebriefes der Pfarre Linz-Marcel Callo vom 23.10.2011)

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