Agape und Leben – einzelne Anmerkungen zur Änderung meiner Gottesdienstpraxis

Seit meinem vorletzten Blogeintrag sind ein paar Wochen vergangen, in denen manche meiner Arbeitsbereiche äußerst spannend waren; „spannend“ im Sinne von „aufregend“, aber auch im Sinne von „spannungsgeladen“. Sehr bald wusste ich, dass ich diesem Blogeintrag einen weiteren, fortsetzenden Eintrag folgen lassen wollte; heute ist es soweit: es geht wieder um die Agape als Teil meiner „Gottesdienste neu“. (Ohne ersten Teil, hier zu finden, sind diese Ausführungen schwer zu verstehen.) Es sind lose Punkte, die keine Argumentationskette sein sollen und nur teilweise miteinander zusammenhängen; das spiegelt mein Denken darüber wieder, das sich in verschiedenste inhaltliche Zusammenhänge mit der Agapefeier, die aber untereinander nicht zusammenhängen, eingenistet hat.

* Am 17. September 2011 hielt ich die erste Wort-Gottes-Feier mit Agape statt Kommunionspendung. Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv, auch vorher skeptische Personen, die mitfeierten, fanden, dass es eine gelingende Form, miteinander den Samstagsabendgottesdienst zu feiern, sein kann. Ich selbst war am Beginn aufgeregt, habe aber die Agape dann ruhiger genießen können – jedem Anfang wohnt nicht nur ein Zauber, sondern auch eine gewisse (positive) Aufgeregtheit inne.

* Weniger aufregend, aber für mich genauso stimmig war die zweite solche Feier am letzten Samstag (22. Oktober). Jedoch merkte ich am Sonntag (in der Eucharistiefeier), dass die Elemente vom Samstag nicht ganz passten; der Samstag war ein rundes Ganzes, der Sonntag hingegen zusammengestückelt aus meinem Wortgottesdienst und der Eucharistie, die der Pfarrer feierte. Auch das zeigt mir, dass ich am Samstag meine Gottesdienstform gefunden habe.

* Liturgie ist Sache der Liturgen. Aber nicht nur. Ich dachte mir, mein „Informationsfluss“ sei genug gewesen. Abgesprochen war es mit unserem Pfarrer, dem Leiter des „FA Liturgie“ und der PGR-Leitung. Außerdem stand es im sonntäglichen Gemeindebrief. Und der Dechant wurde informiert. Dadurch, dass ich die Änderung probeweise umgesetzt habe, dachte ich mir, das müsse reichen. Tatsache ist, dass es keine grundsätzliche Änderung der liturgischen Ordnung bedeutet. Maximal einmal pro Monat – am Samstagabend (= bei uns mit einem überschaubaren Gottesdienstgeher-Kreis) – mit einer Form, die auch anderswo kath. annerkannt ist (s.u.) – gut bekanntgegeben. Was sollte schiefgehen? – Letztlich kam für mich die positive Erkenntnis raus, dass Gottesdienste für die Feiergemeinde einen wichtigen Stellenwert haben und auch im PGR diskutierenswert wären. Grundsätzlich ist aber m.E. der FA Liturgie zuständig und dort wird es Anfang November (und nochmals im neuen Jahr) Thema sein. Liturgie ist Sache der Liturgen.

* Exkurs zur „Pfarrer-Initiative“ (von deren „Aufruf zum Ungehorsam“, Nr. 4, ich mich zuletzt klar abgrenzte):  Ich kann mich folgenden Punkten sehr gut anschließen (um mich einmal zu deklarieren):

  • „Vor Gott gilt Redefreiheit.“ Ob ich Gott deswegen jede Woche um Kirchenreform bitten muss, ist eine sekundäre Geschichte. Dieser eine Satz drückt für mich zwei der zentralen Schwierigkeiten unserer Kirche aus: Eine Richtung wird von der anderen, die Machtposition innehabenden Richtung nicht verstanden. Und generell können wir nicht mehr wirklich miteinander reden.
  • „WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.“ – Ja. Die Bezeichnung „liturgische Gastspielreisen“, die auch heftig kritisiert wurde, gefällt mir (als Wortspiel-Liebhaber) besonders. Priester wollen nicht und dürfen auch nicht auf reine Sakramentenspender reduziert werden. Schade allerdings, dass die „Pfarrer-Initiative“ den aktuellen theologischen terminus technicus „Wort-Gottes-Feier“ nicht kennt (und stattdessen den alten Begriff „Wortgottesdienst“ verwendet). Und mit „besser“ habe ich meine Schwierigkeiten: besser wäre „sinnvoller“, „lieber“ o.Ä. gewesen. Gottesdienstformen sollten nicht ihrer Qualität nach („besser“, „schlechter“, …) verglichen werden. Vielleicht bin ich wortklauberisch, aber auch „selbstgestaltet“ passt hier nicht. Auch Eucharistiefeiern sind „selbstgestaltet“. Oder? – Jedenfalls fällt mir auf, dass die Thesen nicht so scharf formuliert sind wie sie gemeint sind.
  • „WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.“ – Einer der Punkte, die überall schon so gehandhabt werden. Nichts Neues. Die Begründung ist (auch theol.) gut.
  • „WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern.“ Dadurch, dass alles aus Pfarrersicht = Priestersicht geschrieben wurde, kann ich sowieso nur inhaltlich zustimmen, aber nichts selbst umsetzen. Inhaltlich ist ein Verbot für der Teilnahme der Tischgemeinschaft total unjesuanisch.

Die weiteren Punkte kann ich nicht 100%ig unterschreiben.  Punkte 6 und 7 mit dem „neuen Priesterbild“ wären etwas für einen eigenen Blogeintrag.

* Auch ein Kollege hat sich Gedanken gemacht. Hier nachzulesen. Dazu nur ein paar kurze Anmerkungen, lieber Herbert:

  • Die „Pfarrer-Initiative“ meinte „Priester“ in „priesterlos“ soziologisch-kirchenrechtlich, während du damit zuerst biblisch-dogmatisch argumentierst (nur Jesus Christus sei Priester im NT; wir alle seien Priester, so das II. Vatikanum durchaus biblisch).
  • Ich habe meine Bedenken gegen die inflationäre Verwendung des Begriffes „allgemeines Priestertum aller Getauften“. „Das Volk“ kann damit nichts mehr anfangen. Ich verstehe den Begriff als Theologe und auch inhaltlich, aber kann mich sprachlich nicht damit identifizieren; „Priester“ ist viel zu sehr ein kirchlicher Kampfbegriff geworden in unseren Breiten. (Entschuldigung, geschätzte Priester, aber das entspricht meiner Wahrnehmung.) Ich verwende lieber den Begriff „Söhne und Töchter Gottes“ bzw. „Kind Gottes“, auch wenn der gesellschaftlich kaum mehr relevant ist. Als „Töchter und Söhne Gottes“ sind wir dem Begriff nach ebenso alle gleich und auch fähig, mit Gott „gottesdienstlich“ in Verbindung zu treten.
  • Du bringst in deinen Punkten sehr viele Argumente aus verschiedensten Bereichen vor; wenn ich auch damit kann, so werden wir diese Frage letztlich nur theologisch lösen können. Deine Schlussfolgerung „Die Zulassung verheirateter Frauen und Männer für den Leitungsdienst, der auch den Vorsitz in der Feier der Eucharistie inkludiert, ist eine dringende pastorale Notwendigkeit und theologisch absolut gerechtfertigt“ ist m.E. korrekt: theologisch auf jeden Fall rechtfertigbar, pastoral notwendig. Pastoral notwendig? Wenn wir unsere Kirche so weiterbauen wollen wie bisher, ja. Wenn wir in die Zukunft gehen wollen, ist es soziologisch notwendig, damit Kirche anschlussfähig bleibt; das Priester- wie Pfarrerbild gehört m.E. (genauso wie andere Rollenbilder unserer Kirche) jedoch theologisch wie pastoral überdacht.
  • Mit deiner Re-Formulierung kann ich nichts anfangen. Theologisch weiß ich, was du damit meinst, aber sie ist in meinen Augen noch verfänglicher als die ursprüngliche der „Pfarrer-Initative“, weil du „Kraut und Rüben durcheinander“ bringst. Nicht böse gemeint.
  • Was der Wille Gottes für unsere Kirche in ihrer jetzigen Situation ist, weiß ich schon lange nicht mehr. Wir sind jedoch herausgefordert, „den Geist wehen zu lassen“, einander zuzuhören und wenn nötig Änderungsvorschläge im Sinn der Redefreiheit vor Gott gemäß unseren Möglichkeiten einzubringen.
  • Ich schätze es, wenn wir unsere, wenn du deine Gedanken teilst. Die (Internet-)Öffentlichkeit gehört uns allen.

* In der Predigt am 17.9. ging ich kurz auf die „Not der Kirche“ ein, bevor ich formulierte, kleinere Veränderungen könne man an der Basis angehen:

Veränderung bringt nichts, wenn es nur um die Veränderung an sich geht. Damit sich was tut. Gerade in unserer Kirche, in der vieles eine lange Tradition hat, ist es nicht möglich, Veränderung nur aus einem Bauchgefühl heraus voranzutreiben. Veränderung geht im Gesamt der Kirche nur, wenn es unbedingt nötig und theologisch argumentierbar ist. Vieles ist theologisch argumentierbar, und die Argumente, die die kritischen Stimmen haben, sind oft weit besser als die Argumente derer, die sich auf die Tradition berufen. Einiges in der Tradition ist von einer theologischen Argumentation getragen, die lange und unhinterfragt für richtig gehalten wurde in der Kirche, die aber von der modernen Theologie der letzten Jahrzehnte als nicht richtig entlarvt wurde. Kurz: Wenn auch Veränderungen in der Kirche theologisch machbar wären, sie werden vermutlich nur kommen, wenn es unbedingt nötig ist, wenn die Not zu groß wird. Das ist noch nicht der Fall. V.a. aber müssten die, die die kirchliche Macht ausspielen, zuerst ihre theologischen Prämissen verändern. Allerdings: im Kleinen, in den Pfarren z.B., können wir ausprobieren, was theologisch argumentierbar ist.

Ist die Not noch nicht zu groß? Für den Vatikan auf keinen Fall. (Sonst würden sie ja etwas ändern.) Für uns in Oberösterreich in vielen Pfarren: ja, doch, sicher, die Not ist spürbar. Aber welche Not? Die Not, keinen Priester, keinen Pfarrer zu haben. (Mehr dazu >> Blogeintrag irgendwann 2012.) Auf jeden Fall ist es eine innerkirchliche Machtfrage. Das ist ja die Tragik: dass nicht die theologischen Argumente zählen, sondern allein die veraltete Bibelauslegung derer, die die Macht haben, – und somit allein die Machtargumente. Wo fängt die Not an? Wo hört Gehorsam auf? Wo fängt die Macht an und wo hört sie auf? Fragen über Fragen, die innerkirchlich nicht auf einem sinnvollen Level kommuniziert werden.

* „Das Volk“, oder differenzierter gesagt, einige (viele?) Ehrenamtliche in den Pfarren hätten nichts dagegen, wenn ich als Pastoralassistent eine Eucharistiefeier, eine normale Messe feiern würde/dürfte. Mir selbst ist die Eucharistie auch wichtig und – ehrlich – es schmerzt manchmal, vorne zu stehen, und „zuzuschauen“, wie neben mir ein Priester „wandelt“. Ich fühle, dass ich „die Verbindung herstellen“ könnte … Aber Eucharistie ist das Zentrale, was den Priestern „geblieben“ ist (aus einer kritischen Priestersicht, die sich immer mehr beschnitten sieht in ihren eigensten Aufgaben); hier in „fremde Gewässer einzutauchen“, überschreitet m.E. jegliche aktuelle Grenzen des guten Gespürs.

* Die Reduzierung auf das Wesentliche tut gut. Stille als wertvoller Teil des Gottesdienstes. Möglichkeit zum Nachdenken über die biblischen Lesungen nach den Predigtgedanken während eines Klavier-Instrumentals. Nichts ist mir liturgisch mehr zuwider als das bloße „Mess-Lesen“, das Herunterleiern von Formeln, wobei der Inhalt in der Form nicht spürbar wird. Als Gottesdienst-Leitender ist mir wichtig, dass ich selbst mitfeiern kann, und das geht am besten, wenn ich Zeit habe, die vielen Worte auch „einsickern“ zu lassen. (Unsere Gottesdienste sind eh viel zu wortlastig …)

* EINE KLEINE BEGRIFFSKLÄRUNG ZUR „AGAPE“ ( zitiert nach Wikipedia):

Etymologie: Das griechische Verb agapao bedeutet „sich zufrieden geben mit etwas“, aber auch „jemanden mit Achtung behandeln, bevorzugen“.

Agape als Liebe: Im neutestamentlichen Griechisch bedeutet Agape mit einigen Ausnahmen (2 Thess 2.10; 1 Tim 4.10; Judas 1:12, 1Joh 4.7, 1Joh 2.15) immer Gottes reine und göttliche Liebe. Agape ist also eine bedingungslose, einseitige, befreiende, auf andere zentrierte Liebe. …

Agape als Liebesmahlfeier: Paulus kritisierte im 1. Brief an die Korinther deren Praktik, dass jeder zur Agape (Liebesmahlfeier) nur noch selbst Mitgebrachtes aß und nicht mehr teilte, so dass Unterschiede zwischen den eigentlich gleichen Gemeindemitgliedern sichtbar wurden …

In der frühen Kirche war die Agape ein Synonym für die Eucharistie. Hierbei brachten die Christen Lebensmittel und Wein mit, die gesegnet und dann gemeinsam verzehrt wurden. Damit erfüllte die Agape neben der rituellen Aufgabe auch eine karitative. Die Praktik der Eucharistie als Sättigungsmahl stammt wohl von den jüdischen Kiddusch-Feiern am Sabbat. Hierbei findet zumindest in liberalen jüdischen Gemeinden nach dem Gottesdienst noch eine Mahlzeit statt.

Agape als Mahlfeier im katholischen und evangelischen Bereich: Auch heute bezeichnet Agape mitunter ein Sättigungsmahl der christlichen Gemeinde, beispielsweise im Anschluss an einen Gottesdienst. In katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden ist Agape auch die Bezeichnung eines gemeinsamen Mahles nach einem besonderen Gottesdienst, z. B. nach der Osternacht oder einer Hochzeit. Das Wort lehnt sich an das „Liebesmahl“ des Frühchristentums an.

Wirklich spannend ist, wie sich das „Abendmahl“, „Liebesmahl“ oder auch „Herrenmahl“ (es gibt verschiedene Bezeichnungen dafür) im Urchristentum entwickelt hat. Total bereichernd ist da das Buch: Johannes Hoffmann, Das Abendmahl im Urchristentum: Eine Exegetische und Historisch-Kritische Untersuchung, Berlin 1903. (In einigen modernen Auflagen erhältlich.) Teile davon habe ich „durchgeackert“, eine Kurzzusammenfassung ist leider hier nicht möglich.

Aktuell liturgisch-praktisch hilfreich sind zwei Dokumente aus der Schweiz (Insider: „Schweizer Katholiken“ *lol*):

  • Eucharistiefeier. Wortgottesfeier. Kommunionfeier. Agapefeier. Grundsätze, Richtlinien und Arbeitshilfen für die Seelsorgenden, Bistum Basel 2005 – 20 schlanke, theologisch hochwertige und praktisch brauchbare Seiten!
  • Agape feiern. Grundlagen und Modelle, hg.v. Urs Eigenmann, Werner Hahne, Claudia Mennen, Luzern: Edition Exodus 2002 – 220 Seiten starkes, fast überall vergriffenes, kaum auffindbares Buch, das jetzt fröhlich bei mir herumliegt, aber zu dem ich leider noch kaum gekommen bin; ich zitiere nur den Buchrücken:

Den Gemeinden stehen heute immer weniger Priester zur Verfügung. Dennoch wollen Christinnen und Christen zusammen den sonntäglichen Gottesdienst feiern. Häufig möchten sie dies – trotz der kirchenamtlich verordneten Antiökumene – auch über die konfessionellen Grenzen hinweg tun. Auf solche Nöte und Bedürfnisse antwortet das Buch „Agape feiern“. Es enthält Modelle, wie Gemeinden priesterlose und ökumenische Gottesdienste gestalten können. Zudem werden die biblischen Ursprünge und deren theologische Deutung präsentiert. „Agape“ ist ein programmatisches Leitwort: Es kennzeichnet die Nähe der vorgelegten Modelle und Erfahrungen zur Mahlpraxis Jesu und zu den urchristlichen Versammlungen des „Brotbrechens“ und des „Herrenmahls“. Zugleich wollen Autorinnen und Autoren einen Beitrag zur Erneuerung der häuslichen Esskultur leisten.

* Kleine Ironie am Rande: Meine Agape-Feiern sind dem ursprünglichen Herrenmahl näher als die jetzige Form der Eucharistiefeiern. Denen wollte ich ausweichen, und bin bei einer Form gelandet, die dem nahesteht, woraus sich die Eucharistie entwickelt hat. Das erinnert an den Buchrücken. Von der Grundstruktur bin ich den Schweizern ähnlich, allerdings feiern wir Agape in der Kirche (weil am Samstag das Café in der Tuchfabrik offen ist und dort Agape nicht möglich wäre).

* Eine der Rückmeldungen (nach der 1. Feier), die mir am meisten gefiel, war sinngemäß die: „Wenn es auch einen Aufstrich (oder noch mehr) gäbe, dann würde es sich herumsprechen und es würden viel mehr wegen des Essens kommen, und das wäre für einen Gottesdienst problematisch“. Die Idee mit dem Aufstrich hatte ich auch. Und wenn es kein Schlemmern um des Schlemmerns willen wird, sondern „zivilisiertes Essen“ im Rahmen des Gottesdienstes bleibt, warum nicht? Bzw.: ja, natürlich! Interessanterweise hat mich ein älteres Paar bei der 2. Feier angesprochen und mir lächelnd (und durchaus ernst) gesagt, das nächste Mal nähmen sie ein wenig Fleisch mit. Ja. Super. Das liegt genau auf der Linie, die mir vorgeschwebt ist. Essen und Trinken, mit Brot und Wein im Mittelpunkt, aber nicht nur. Essen und Trinken als Erinnerung an die Mahlzeiten Jesu, in denen immer auch Gott Platz hatte, und an die Mahlfeiern der Urgemeinde, in denen Jesus die Mitte war. Ich denke an eine mögliche Weiterentwicklung in Richtung sozialer Gottesdienst; wo – wenn wahrscheinlich die nicht kommen, für die Essen eine tägliche finanzielle (Überlebens-)Frage ist – zumindest für diese Menschen gesammelt wird (= für die Pfarr-Caritas, wo Hilfesuchende anklopfen). Derzeit verwende ich Brot aus einer regionalen Bäckerei, möglich ist auch eine Erweiterung auf Bio- bzw. fair gehandelte Produkte. Gemeinsam werden wir eine passende Form der Agape finden. (Nein, auch wenn ich Kaffee liebe, werden wir kein Kaffeekränzchen abhalten…!!!)

* Zu den „vorkonsekrierten Hostien“ (die mir scheinbar nicht ganz geheuer sind): Ich las in den letzten Wochen einen spannenden liturgischen Artikel mit dem Titel „Wann fing man an, die in einer Messe konsekrierten Hostien in einer anderen Messe auszuteilen?“ (aus: Peter Browe, Die Eucharistie im Mittelalter. Liturgiehistorische Forschungen in kulturwissenschaftlicher Absicht, mit einer Einführung hg.v. H. Lutterbach und Th. Flammer [Vergessene Theologen Bd. 1], Berlin: LIT Verlag 52010, 383-393) Ein paar Auszüge, die mir neu waren, weil ich mich damit nie beschäftigt hatte:

Wie die Gläubigen früher nur in der Messe kommunizierten, der sie beigewohnt hatten, so gab man ihnen auch nur das Brot und den Wein, die in ihr konsekriert worden waren. Nie hat man aus einer früheren Messe etwas aufbewahrt und in einer späteren ausgeteilt; …

Die Gläubigen haben das Brot und den Wein selbst mitgebracht und dem Liturgen übergeben, der sie Gott aufopferte, weihte und ihnen dann als Opferspeise zurückgab. …

Da in den ersten Jahrhunderten die Brote ziemlich groß waren, blieb natürlich oft etwas übrig, für das man keine Verwendung hatte und das man den Gläubigen wieder mit nach Hause gab, …

Als jene Sitte, konsekriertes Brot mit nach Hause zu nehmen, abgekommen war, entstand die Frage, was mit dem nach der Kommunion übriggebliebenen zu machen wäre.

Meist wurden nur ein paar zu viel konsekriert; für die übrigen gab es die unterschiedlichsten Arten der „Entsorgung“ oder Verzehrung. „Vorkonsekrierte“ Hostien sind auf jeden Fall ein pastorales Produkt des Mittelalters. Nüchtern endet der Aufsatz mit der Feststellung (samt Fußnote):

Heutzutage werden fast immer Hostien ausgeteilt, die in einer früheren Messe konsekriert worden sind. – Die Frage, ob der Empfang einer Hostie, die in der Messe, der man beiwohnt, konsekriert worden ist, der Art und dem Werte nach verschieden ist von dem Empfang einer in einer anderen Messe konsekrierten, ist erst seit dem 18. Jahrhundert erörtert worden.

Mein heutiges Schlusswort: Wie man/frau sieht, stellen sich in den verschiedenen Jahrhunderten verschiedene theol. Fragen, und ähnliche Fragen werden auch immer wieder verschieden beantwortet. Einzementiert ist wenig. Das gibt Hoffnung, zumindest für die ferne Zukunft. – In der Gegenwart erlebe ich jetzt schon eine Form der Gottesdienste, die wieder mit dem Alltag zu tun hat und die Mut macht, auf dem angefangenen Weg weiterzugeh’n.

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2 Antworten zu “Agape und Leben – einzelne Anmerkungen zur Änderung meiner Gottesdienstpraxis

  1. Du machst dir über „Dinge“ Gedanken … ich glaub ich versteh immer besser was dein Beruf/ deine beruflichen Aufgaben sind.
    Ich habs allerdings nicht geschaffte diesen Eintrag zu lesen: die ersten zwei mal war er mir schon zu lang um anzufangen, dieses mal bin ich bis zum ersten grauen Kasten gekommen.

    Und noch eine „lustige“ Geschichte aus Stavanger: Stavanger Aftenblad („Abendzeitung“) macht jeden Tag eine kleine Umfrage und präsentiert am nächsten Tag die Antworten. Am Freitag war die (beantwortete frage): „Tror du Norge rammes hard av kristen i Eurosonen?“ und 51% antworteten mit ja.
    Was die Frage heist? „Glaubst du Norwegen wird hart getroffen werden von den Kristen in der Eurozone?“
    Tja, ein sogenannter Schreibfehler… ich nehme an dass die meisten die diese Frage beantwortet haben wohl „Krise“ und nicht „Kristen“ gelesen haben. 😉

  2. Ja, ich mach mir über „Dinge“ Gedanken … Allerdings ist das nur ein kleiner Ausschnitt meines Arbeitsbereiches. Für’s Denken und theologisch Reflektieren bleibt als Pastoralassistent eh oft wenig Zeit. Bin dankbar, dass derzeit genug Zeit zum Denken bleibt; sonst wäre meine genaue Auseinandersetzung mit dieser Materie gar nicht möglich gewesen.
    Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, dass ich nur meine organisatorische Arbeit mache und dann um 4 heimgehe und zufrieden sage, „Es läuft alles super!“ Regelmäßig die Dinge hinterfragen, die wir in Pfarren so machen, und auch schauen, was ist jetzt notwendig, damit Zukunft gelingen kann, solche Dinge gehören für mich unbedingt dazu. Wir lügen uns ja an, wenn wir im innerkirchlichen Bereich sagen, „Es passt eh alles, weil meine Pfarre gut funktioniert.“ (usw.)

    Wird aber nicht zur Regel, dass ich so lange und arbeitstechnisch schreibe. Mein Anspruch ist ja, dass möglichst alles gut leserlich ist.

    Zum Stavanger Aftenblad: Wollte das Blatt die Leute vera…? Oder ist dem Blatt selbst der Fehler unabsichtlich passiert? „Christen in der Eurozone“ ist jedenfalls eine lustige, unkonventionelle Wortverbindung … 🙂

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