Zehn Tage bis Weihnachten – mein Adventversuch

Zwei Wochen vor Weihnachten, um den 3. Adventsonntag herum: Von Advent und von Weihnachtsvorfreude keine Spur. Nichts Neues, weil gerade diese Zeit in meiner Arbeit, in der Pfarre, eine sehr dichte ist. Und doch etwas Neues, weil ich immer noch an dem laboriere, worüber ich hier (am 22.10.? vor 2 Monaten?) gebloggt habe: am Kaum-umgehen-Können-mit-dem-Zustand-der-Welt. Ich bin schwer auszuhalten; wenn ich das sogar von mehreren Seiten zu hören bekomme UND es selbst merke, dann steht dringend eine Veränderung an. Also beschließe ich, die letzten 10 Tage vor Weihnachten, vom 14. bis zum 23.12., ein besserer und christlicherer Mensch zu werden. Nicht nach dem Leistungsprinzip, sondern nach dem Weg der kleinen Schritte. Ich erhoffe mir, für andere und für mich selbst erträglicher zu werden und dadurch auch die zweite Adventhälfte bewusster erfahren zu können.

Ich beginne mit einer Liste von 10 Dingen, die ich in den letzten 10 Tagen vor Weihnachten machen möchte. Für mich alleine, aber auch mit der Familie oder darüber hinaus. Für jeden Tag nur eine Kleinigkeit. Kleine Schritte führen zum Ziel. Und am Abend jeden Tages oder am nächsten Tag in der Früh möchte ich den Tag und seine Kleinigkeit kurz beschreiben (bebloggen). Und am 24.12. dann alles (mit einem hoffentlich positiven Ergebnis) ins Netz stellen.

[Einschub vom 20. Dezember: Fühle mich dazu inspiriert, jetzt schon mit dem Veröffentlichen anzufangen. Begründung unten zu finden.]

Bald ist der 14. Dezember da – es kann losgehen:

14.12. – Ich beginne mit dem scheinbar Leichtesten von der Liste: „freundlich sein zu anderen“. Ich habe es fast 100%ig geschafft. Ich reiße mich zusammen, wenn ein Anflug von Ärger oder Aggression in mir hochsteigt. Es tut gut. Es tut gut, einmal einen Tag lang zu verbringen, ohne „auszuzucken“. (War also die Tage davor anders.) War mein adventlichster Tag im heurigen Advent. Kann so weitergehen.

15.12. – Ich habe mir für diesen Tag vorgenommen, zu „bloggen über’s Barcamp (hab ich versprochen)“. Das Ergebnis kann man/frau hier nachlesen: Zeltl’n hinter der Bar!? Es hat genauso viel Energie gekostet, wie ich’s mir vorgestellt habe: nicht zuviel und nicht zuwenig. Der Text beim Bloggen ist ja nicht das Problem, der schreibt sich relativ schnell; aber dann alles in eine ansprechende Form bringen, mit Fotos usw., das zieht sich manchmal (ok, meistens). Aber ich habe das Bloggen an diesem Tag genossen, weil es endlich wieder ein Stück Freizeit war, die ich kreativ gestalten konnte. War ein guter Adventtag im Sinne von „den Tag nicht mit Arbeit vollstopfen“.

16.12. – Für diesen Tag hatte ich mir von der Liste vorgenommen, zu „beten für Menschen, die es vielleicht brauchen. Das „die es vielleicht brauchen“ hatte ich schon auf der Liste durchgestrichen, weil ich nun wirklich nicht weiß, wer es braucht oder wer nicht; oder, was wahrscheinlicher ist: jede(r) kann es brauchen, und dann ergibt das „vielleicht“ keinen Sinn. Wie dem auch sei, ich war den ganzen Tag in der erwartungsvollen Stimmung, mir am Nachmittag ein paar Minuten Zeit zu nehmen. Nur – der Nachmittag verging, und anderes kam dazwischen. Am Abend brachte der Bußgottesdienst eine wirklich meditative Stimmung mit sich, die auch mich ergriff; nur Zeit, um für andere zu beten, hatte ich auch in diesem Bußgottesdienst nicht wirklich. Dann hatten wir die pfarrliche Weihnachtsfeier, und ich war im Nachhinein wirklich froh, mit dem Auto dagewesen zu sein, weil ich mich dadurch vor einem möglichen „Absturz“ bewahrte.  Auch (fast) nüchterne Weihnachtsfeiern können erfreulich sein! Nach Mitternacht (und nach einer Zeit für die Beziehung, die ich mir um diese Uhrzeit sonst eh nie nehme, weil um diese Uhrzeit sonst nur die Pumpe des Aquariums munter ist) fand ich vor dem Einschlafen meinen Vorsatz wieder und dachte an all die Menschen, für die ich beten wollte. Es war ganz schlicht – ich zählte alle Menschen lautlos auf und zum Abschluss dachte ich noch, dass Gott die Bitten für diese Menschen, die mir am Herzen gelegen sind, sowieso kennt, und diese somit gut aufgehoben sind. Dann schlief ich ein.

17.12. – Drei freie Tage lagen nun vor mir. Samstag, Sonntag, Montag. Wenn, dann sollten diese am leichtesten „adventlich“ werden … Doch – meistens kommt alles anders als geplant. Am Samstag gab es schließlich (nach Umplanung der Liste) „eine ausgiebige Zeit vor (hinter?) dem Adventkranz“. Auch dazu bin ich in diesem Advent noch fast nicht gekommen. Wie verbringt man/frau Zeit vor dem Adventkranz? In die Kerzen starren schauen ist eine Möglichkeit, aber die reichte mir für diesen Tag nicht. Singles könnte ich empfehlen, eine „adventliche CD“ einzulegen (= Tipp für Singles, die noch CDs besitzen). Ist auch für Paare geeignet. Familien mit Kindern, die schon singen können, kann ich nur empfehlen: Singt! Wir haben auf jeden Fall einige adventliche Lieder gesungen, kirchliche wie weltliche, aber auf jeden Fall bekannte. Mit Gitarre war’s schön. (Auch ohne Instrument möglich.) Ich erinnere mich noch immer gern an die Zeit um den Adventkranz in der Kindheit. Wir hörten „adventliche Texte“ und sangen ein, zwei Lieder. Als wir älter wurden, hat sich das aufgehört. Das fand ich damals schade. Heute bin ich froh, dass ich Kinder habe, die einem die Gelegenheit geben, ausführlich Zeit um (/vor/hinter?) den(/m) Adventkranz zu verbringen. Das Leben kann ganz schön schön sein.

Dieses Foto ist wirklich vom 17.12.; gut sichtbar ist unser „Adventelch“, der seit ein paar Jahren Stammgast auf unserem Adventkranz ist. (Die 4. Kerze ist bewusst noch nicht angezündet worden.)

Ich überwand dann sogar noch meinen inneren Schweinehund und ging laufen. Es war nasskalt, regnete ein bisschen, aber drei Runden im Hummelhofwald brachten viele gute Erkenntnisse. (Die heb ich mir für eine Predigt im neuen Jahr auf.) Und Laufen ist ein wundervoller Aggressionsabbauer.

18.12. – Heute wollte ich „die Feiertage planen, ohne zu streiten“. Das war – entgegen der vorweihnachtlichen Erfahrung von vielen Menschen und von mir selbst – nicht mehr schwierig, nachdem sich in den letzten Tagen einige Dinge bezüglich Weihnachtsbesuchen schon geklärt haben. Apropos Besuch: Wir bekamen Besuch, von unserem Patenkind und seinen Eltern. Danke für die Zeit, die ihr hier wart! (Sonst war der Sonntag durchschnittlich.)

19.12. – Die Liste hatte ich über’s Wochenende im Büro vergessen. Blöd! Ich wollte einen Tag ohne Facebook machen, und hab das auch gemacht; vor ein paar Wochen wäre mir das richtig schwer gefallen, derzeit fällt es mir viel zu leicht. Und das ist das Blöde daran: Auf meiner Liste stand: „ein Tag ohne Facebook, oder, wenn das zu leicht ist, eine ganze CD anhorchen“. Hm, ich hab’s verbockt. Noch schlimmer: Ich hatte den ganzen Tag miese Stimmung. Game over?

Zwischenbilanz am 20.12.: Der Adventversuch gestaltet sich unterschiedlich schwierig: manches fällt mir zu leicht, manches ist schwierig unterzubringen; und dann blieb auch noch die Liste liegen … Meine Stimmung ist unterschiedlich, aber könnte sich noch deutlich heben. Darum habe ich beschlossen, heute schon online zu gehen, als Motivation, damit ich mich endgültig zusammenreiße … Game noch nicht over, ich hole einfach einen Punkt zwischendurch mal nach.

Ab jetzt gibt’s also jeden Tag ein Update (zum Vortag – also morgen für heute usw.). Täglich mitlesen erlaubt.

20.12. – Dieser Tag war sehr vorweihnachtlich angehaucht. Am Vormittag machte ich mir Gedanken zur Predigt in der Mette, und nach nicht einmal zwei Stunden war sie auch schon fertiggeschrieben. Überarbeitung folgt, aber ich bin zufrieden. Wurde ganz anders als das, was ich ursprünglich predigen wollte. (Werbeeinschub: 24.12., 23.00 Uhr, Kirche in der Tuchfabik: Weihnachtsmette.)

Holte die CD von gestern nach. Am Nachmittag war ich im Büro allein, und so wurden es sogar ganze zwei CDs, die ich mir (nebenbei) anhorchte. Teile von beiden hörte ich dann noch einmal in der abendlichen „Taufgrottenmeditation“, die wir jeden Dienstag im Advent anbieten. Der Tag war fast zu besinnlich, und endete daheim mit einem wunderlichen-wunderbaren Film: Mr. Magoriums Wunderladen.

Alles in allem: ein Adventtag, den ich genoss.

21.12. – Die restlichen Vorhaben der Liste scheinen nicht mehr recht zu den restlichen Tagen zu passen, die von vorne bis hinten vollgestopft sind mit Terminen. Naja, ich probier’s. Ich wollte „den Haushalt einen Tag lang ohne eine blöde unmotivierte Bemerkung machen“, und – ich schaffte es! Es war ein total dichter Tag, am Vormittag musste ich daheim neben den Kindern arbeiten, zu Mittag kochen, dann noch schnell in den Kindergarten und einkaufen fahren, heim, den Einkauf ausräumen, dann brauchte ich mal eine halbe Stunde zum „Daunisitzn“, bevor’s nach Auwiesen ging, wo ich den Nachmittag im Büro und den Abend mit einer Sitzung verbrachte. Um halb 10 fuhr ich noch schnell in die Stadt.

Der Haushalt war leicht zu handhaben an diesem Tag, war das Angenehmste. Keine unmotivierten Bemerkungen. 🙂

Außerdem nahm ich mir noch einen zweiten Punkt von der Liste vor, und so verbrachte ich die Zeit nach 22 Uhr als  „Zeit zu zweit“. Im Trubel dieser dichten Tage Zeit für die Beziehung finden ist doppelt wertvoll/schön! Und so endete auch dieser Tag mit einem zufriedenen Rainer.

22.12. – Es war Zeit, „mir Zeit für ein Buch [zu] nehmen“. War zwar total müde am Abend, aber ich suchte noch eines meiner Lieblingsbücher aus dem Regal und las noch zwei Kapitel. Seltener Fall von Büchern, die auch noch beim 4. Mal Lesen ihren Zauber voll, wie neu, entfalten.

23.12. – AmVormittag hatte ich einen Schulgottesdienst, der mich sehr berührte. Mundartgedichte zum Thema Weihnachten, von SchülerInnen frei vorgetragen. War vom Feinsten.

Ich feierte schon am Vortag, am 22., zwei Gottesdienste, einen Schulgottesdienst und unseren wöchentlichen Donnerstagabendgottesdienst. Gerade am Abend war die Stimmung in der Kirche einzigartig. In vier Tagen sechs (Vor-)Weihnachtsgottesdienste (am 24. werden es zwei sein, am 25. einer), da kann man/frau Weihnachten gar nicht übersehen; das ist schon ein „Vorteil“ meines Berufes. Ist zwar grenzwertig dicht, aber spätestens nach dem 2. Schulgottesdienst ist man/frau eingestimmt auf das, was vor uns liegt.

Der ganze Nachmittag war geprägt von einer ruhigen, fast schon besinnlichen Geschäftigkeit im Pfarrzentrum. Hatte das noch nie so intensiv erlebt.

Bei so viel adventlicher Erfahrung hat es mich nicht mehr gestört, dass ich „Spielen zu viert“ (als letzter offener Punkt von der Liste) nicht mehr schaffte. Die Tagesabläufe waren durchgeplant und es blieb nur mehr ein wenig Zeit, dass ich allein mit den Kindern spielte. Immerhin. Beim Spielen geht es ja um die Freude der Kinder am Spielen. (Oder?)

So, und jetzt bleibt mir nur mehr übrig, Frohe Weihnachten! zu wünschen. Besinnliche Feiertage, ob laut oder ruhig!

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