Ostern

Folgenden Beitrag durfte ich für die Homepage der Diözese Linz verfassen. Ich gebe ihn hier ungekürzt, ganz leicht überarbeitet und neu zusammengestellt (unzerteilt) wieder.

Am „auffälligsten“ ist das Osterfest wegen des Brauchtums: Schon lange vor Ostern stehen Schokoosterhasen in den Regalen der Kaufhäuser, zu Ostern suchen Kinder dann vom „Osterhasen“ versteckte „Osternester“, wir pecken Ostereier, lassen unsere Speisen segnen, bunt bemalte und verzierte Eier hängen an Ostersträuchen, und wir verzehren auch „Osterlamperl“.

Foto: pentacs / morguefile.com

Foto: pentacs / morguefile.com

All das (und einiges mehr) hat sich rund um das christliche Osterfest als Brauchtum etabliert. (Dazu später mehr.) Was aber feiern wir eigentlich zu Ostern?

Fastenzeit, Karwoche, Osternacht
Ohne die Zeit davor (im Kirchenjahr) ist das Osterfest nicht zu verstehen.
Die Fastenzeit ist die christliche Vorbereitungszeit auf Ostern hin.
Das Christentum ist eine Erinnerungsreligion, gerade vor und zu Ostern. Wir erinnern uns jährlich wieder (im Lauf des Kirchenjahrs) an das, was vor rund 2000 Jahren passiert ist, an das Leben Jesu, und holen die Geschehnisse in unsere Gegenwart, „vergegenwärtigen“ sie also, „aktualisieren“ sie – wir feiern sie, weil sie etwas mit unserem Leben zu tun haben.
Am Ende der Fastenzeit steht die Karwoche, in der wir an die letzten Tage, an Leiden und Sterben Jesu denken. Sie beginnt mit dem Palmsonntag, an dem wir uns an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern – als Jesus als Friedenskönig (Messias) auf einem Esel ritt, die Menschen ihm zujubelten und Palmzweige schwenkten und auf den Boden legten. Doch bald darauf wurde Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt. Wenn am Palmsonntag die ganze Leidensgeschichte im Gottesdienst gelesen wird, dann deshalb, weil dieser Spannungsbogen Freude – Leid/Tod – Leben schon von Beginn der Karwoche an Thema ist.
Am Gründonnerstag feiern wir im Gottesdienst das Abschiedsmahl Jesu mit seinen Freunden, das letzte Abendmahl, sowie in vielen Pfarren auch eine Fußwaschung und/oder eine Anbetungsstunde im Anschluss an den Gottesdienst, wo das Gebet Jesu im Ölberg im Mittelpunkt steht. Am Gründonnerstag feiern wir also auch heute aktuelle Werte: die Gemeinschaft, den Dienst füreinander, die Eucharistie (= Danksagung).
Am Karfreitag gedenken wir des Leidens und Sterbens Jesu. Zur Todesstunde Jesu (15 Uhr) gibt es an vielen Orten eine Kreuzwegandacht, oft speziell für Kinder gestaltet. Der schlichte Karfreitagsgottesdienst am Abend ist geprägt von Stille, Mit-Leid und Denken an all das Unrecht, das auch heute Menschen erleiden. In der sog. „Kreuzverehrung“ kann jede/r sein/ihr Leid, aber auch seine Liebe zu Jesus zum Kreuz bringen. Die Atmosphäre in den Kirchen ist ähnlich wie bei einem Trauergottesdienst, weil für die Christinnen und Christen Jesus ihr guter Freund ist, und weil es ihnen schwer fällt, dass er leiden/sterben muss.
Die Kirchenglocken schweigen deshalb auch, nämlich von Karfreitag bis zur Osternacht. Dafür gehen in Österreich Kinder „ratschen“. Dabei ziehen Kinder (meist Ministranten) mit hölzernen Instrumenten, den „Ratschen“, durch die Straßen, um die Gläubigen mit unterschiedlichen Sprüchen an die Gebetszeiten und Andachten zu erinnern.
Der Karfreitag ist ein strenger Fasttag in der kath. Kirche. Angesichts einer Gesellschaft, in der der Tod am liebsten verdrängt wird, tut es gut, dem Tod und Leid auch im Kirchenjahr seinen Platz zu geben. Wir können das Leid in der Welt nicht ausblenden.
Der Karsamstag ist Tag der Grabesruhe. Mit Andachten, Anbetungsstunden oder „Grabwachen“ – und den Vorbereitungen auf das Osterfest – begehen Christen diesen Tag. Auch in unserem Leben braucht es Tage des Innenhaltens und auch Trauerns.
In der Osternacht passiert die großartige Wende. Wir feiern: Jesus ist auferweckt worden von den Toten, Jesus lebt! Nimmt man bei den Gottesdiensten der Karwoche teil und lässt sich auf ihre Inhalte ein, dann spürt man in der Osternacht die befreiende Botschaft umso deutlicher: Der Tod ist nicht ohne (und er muss in den Blick genommen werden!), aber er hat nicht das letzte Wort. Gott lässt die Menschen nicht im Tod, das Leben siegt über den Tod! Ansatzweise dürfen wir diese Erfahrung schon im irdischen Leben machen, v.a. in der Liebe … (1)
Das Licht ist wichtiges Symbol in der Osternacht: Mit einem Osterfeuer beginnen viele Feiern, die Osterkerze verdeutlicht den biblischen Satz: Jesus ist das Licht der Welt. (Und ohne Licht gäbe es kein Leben!) Im Dunkel der Nacht erstrahlen die Kirchen vom geteilten Licht vieler Kerzen. An manchen Orten werden auch wieder Auferstehungsfeiern am Ostermorgen, beim Licht der aufgehenden Sonne, begangen, nach alter Tradition.

Sonnenaufgang; Foto: Alvimann / morguefile.com

Sonnenaufgang; Foto: Alvimann / morguefile.com

Osterfreude, Osterzeit und Osterzeitpunkt
Ostern ist das wichtigste Fest im Kirchenjahr für Christen und Christinnen, noch vor Weihnachten. Ohne Auferstehung Jesu gäbe es den christlichen Glauben (= der Glaube an Jesus Christus als den Sohn Gottes, der auferweckt wurde, der ganz bei Gott ist und der für uns ein „Leben in Fülle“ will) nicht. Niemand war bei der Auferstehung dabei, aber vielen Menschen ist der Auferstandene erschienen. Das war die „Geburtsstunde“ des Christentums; jetzt glaubten die Freundinnen und Freunde Jesu, seine Jünger wirklich seiner Botschaft von Gottes Liebe und Nähe zu uns Menschen (= Botschaft vom Reich Gottes).
Bis dieser Glaube gefestigt war, brauchte es die wiederholte Erfahrung: Jesus ist mitten unter uns. Das rücken die Evangelien der Osterzeit (= im Gottesdienst vorgetragene Bibelstellen) in den Blick: z.B. das Evangelium von den „Emmausjüngern“ oder vom Apostel Thomas. Die zwei Emmausjünger begegneten Jesus, dem Auferstandenen, am Weg, erkannten ihn aber erst, als er mit ihnen Rast hielt – der Brauch des österlichen „Emmausgangs“, ein besinnlicher Spaziergang, kommt daher. Der „ungläubige“ Thomas will zuerst nicht so recht an die Auferstehung glauben, sondern muss Jesus selbst sehen und die Wunden der Kreuzigung „begreifen“, bevor er seine Zweifel aufgibt. Wenn wir heute am Glauben zweifeln, dann beruhigt es vielleicht, dass sogar in der biblischen Szene der „Himmelfahrt“ Jesu, nach vielen direkten Begegnungen mit dem Auferstandenen, (laut Matthäusevangelium) alle (!) Jünger damals noch zweifelten.

Die Botschaft der Auferweckung Jesu durch Gott steht im Zentrum der Osternacht und der ganzen Osterzeit. Es ist eine befreiende Botschaft, weil sonst durch den Tod alles eingeebnet würde, letztlich jede Ungerechtigkeit sich durchsetzen würde. Sie befreit auch zu einem sorgloseren Leben: Wir brauchen keine Angst mehr zu haben vor einem sinnlosen Tod – uns ist Leben verheißen. „Österliche Menschen“, Menschen, die ihr Leben von der Osterbotschaft her ausrichten, strahlen diese neue Freiheit schon aus.
Weil die Freude über das Leben und die Auferstehung mehr Platz haben soll als die Trauer über den Tod, dauert die Osterzeit ganze 50 Tage – bis Pfingsten. Ostern hört also nicht mit dem Feiertag Ostermontag wieder auf, sondern fängt am Ostersonntag erst so richtig an. In die Osterzeit (genau auf ihren 40. Tag) fällt auch das Fest Christi Himmelfahrt – mit dem schon erwähnten Bibeltext, der aber voller Zuversicht endet: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“
Das „Halleluja!“ (= „Lobt Gott!“), das während der Fastenzeit nicht gesungen/gebetet wird in der Kirche, hat wieder seinen Platz im Gottesdienst – und ist wahrscheinlich das österliche Wort: „Halleluja, Jesus lebt!“
Der Ostersonntag war in der frühen Kirche der klassische Tauftermin. Darum wird in der Osternacht das Taufwasser geweiht. (Heute finden auch wieder öfters Taufen in der Osternacht statt.) Das weiße Taufkleid ließen die getauften Erwachsenen – Kinder wurden erst in späteren Jahrhunderten getauft – eine Woche lang an, als Zeichen der neuen Identität als Christen. Darum heißt der 1. Sonntag nach Ostern, der Tag, an dem die Täuflinge das weiße Taufkleid ablegten, bis heute „Weißer Sonntag“.

Weg zur Taufgrotte der Pfarre LLinz-Marcel Callo im Frühling; Foto: Rainer Haudum

Weg zur Taufgrotte der Pfarre Linz-Marcel Callo im Frühling; Foto: Rainer Haudum

Nach biblischer Überlieferung ereigneten sich Tod und Auferweckung Jesu in den Tagen des jüdischen Pessachfestes (2), das im Frühling stattfindet.  Im Jahr 325 wurde das Datum des Osterfestes daher auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond (= 1. Vollmond nach Frühlingsanfang, 21. März) festgelegt. Somit fällt der früheste Ostersonntag auf den 22. März. Spätestes Osterdatum ist der 25. April. Nach dem Datum des Osterfestes richten sich fast alle anderen beweglichen Feiertage im Kirchenjahr (Aschermittwoch, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, …).

Ostern als Fest des Lebens im Brauchtum
Ostern ist also (vereinfacht gesagt) ein Fest des Lebens. Darauf weist auch das Brauchtum der Osterzeit hin.
Warum gerade der Hase die Eier versteckt, ist bis heute nicht ganz klar; jedenfalls passt er als Fruchtbarkeitssymbol in die Zeit des Frühlings, des aufstrebenden Lebens.
Auch das (Oster-)Ei kann man als Fruchtbarkeitssymbol deuten. Als solches verschenkten Chinesen schon vor 5000 Jahren bemalte Eier zum Frühlingsanfang. Auch im Christentum werden schon lange Eier zu Ostern geschenkt: Schon vor 1000 Jahren gab es das rot gefärbte Osterei. Es symbolisierte das Grab Jesu – hart wie ein Stein, kalt, leblos. Und doch beinhaltet es das Leben, was durch das Rot, die Farbe des Blutes, ausgedrückt wird. Die Botschaft des klassischen Ostereis ist die Botschaft von Ostern: Christus ist auferstanden, er lebt, er hat den Tod überwunden! Das Eierschenken zu Ostern ist sogar noch älter, es ist schon in den ersten christlichen Jahrhunderten in Armenien belegt. Ab dem späten Mittelalter wurden die Eier bunt gefärbt, bald auch verziert, beschrieben, ausgeblasen, …
An den Ostersträuchern, für die verschiedene Zweige (Weide, Haselnuss, Birke, …) genommen und in eine Vase gestellt werden können, sieht man deutlich das aufblühende Leben (ohne lang darüber nachdenken zu müssen). Forsythien mit ihren schönen, gelb blühenden Zweigen sind der Klassiker unter den Osterzweigen.

Forsythie; Foto: jppi / morguefile.com

Forsythie; Foto: jppi / morguefile.com

Bei der Speisenweihe in den Ostergottesdiensten werden außer Eiern noch andere Speisen (Lebens-mittel) gesegnet, die in einem Korb mitgebracht werden: meist Brot, Ostergebäck, Butter, ein Stück Schinken oder Speck, Kren und Salz. Traditionell isst man die in der Osternacht geweihten Speisen zum Frühstück, nach dem alten (Aber-)Glauben: Geweihtes muss man nüchtern essen, sonst wirkt der Segen nicht. Regional unterschiedlich ist das Ostergebäck: Osterlamm („Osterlamperl“), Osterpinze, Osterzopf, Osterstriezel, …

Tradition hat auch der Segen des Papstes am Ostersonntag; er wird in alle Welt übertragen und gilt urbi et orbi, „der Stadt und dem Weltkreis“.

Ostern, lyrisch
Für alle, die durchgehalten (oder runtergescrollt) haben:

Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? Wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
„Schatz, so hat’s der Has‘ gebracht”.

Eduard Mörike (1804–1875)

* * *

(1) Univ.-Prof. Franz Gruber (KTU Linz) hat in einem Pfarrblattartikel der Pfarre Leonding–St.Johannes darauf hingewiesen, dass die Meinung, „das Wiedererwachen“ der Natur sei eine Analogie für das Osterereignis, nicht passend, ja sogar zynisch sei. Der Artikel ist sehr lesenswert, schießt m.E. aber über das Ziel hinaus. Ich denke, die Aussage „das Leben ist stärker als der Tod“ trifft genau den Kern von Ostern. So ist folgender Satz m.E. nur bis zum 2. Beistrich gültig: „An die Auferstehung glauben heißt nicht, es geht schon irgendwie weiter, das Leben ist stärker als der Tod.“ („Das Leben ist stärker als der Tod“ heißt ja genau nicht, „es geht schon irgendwie weiter …“.) http://pfarre-leonding-hart.dioezese-linz.at/pfarrblatt/Pfarrblatt_2015_03.pdf (Seite 2)

(2) Mit diesem hat das Osterfest den Charakter der Befreiung gemeinsam, weshalb auch die Befreiung am Schilfmeer im biblischen Buch Exodus als eine Lesung der Osternacht vorgesehen ist. Die Ursprünge des Pessachfestes wurden in der Exoduserzählung festgemacht. Vgl. den aussagekräftigen Artikel von Hans Hauer zur Exodus-Lesung der Osternacht: www.dioezese-linz.at/dl/tkspJKJnmNJqx4lJK/Ist_Gott_grausam.pdf.

 

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