Agapefeier, reflektiert

Im September des vergangenen Jahres habe ich mit einer „neuen“ Art der Wort-Gottes-Feier begonnen. Nach Teil 1 und Teil 2 meiner Gedanken wollte ich es mit dem Bloggen darüber gut sein lassen, die Zwischenreflexion meiner Feierform lässt allerdings jetzt doch Teil 3 folgen.

Am Anfang war für mich klar, dass nach 4 Monaten „Probezeit“ eine Art Auswertung, eine Zwischenreflexion stattfinden wird. So hätte ich – falls alles schiefgegangen wäre – die Notbremse ziehen können. Ist es gottseidank nicht. Im Gegenteil, von Anfang an ging es mir gut damit, aber was noch viel wichtiger ist: von Anfang an bekam ich positive Rückmeldungen zu hören. Meistens direkt während der Agape, wo viel Platz/Zeit ist, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Im Jänner wollte ich es trotzdem (wie ausgemacht) noch einmal wissen, schriftlich per E-Mail vom Fachausschuss Liturgie unserer Pfarre, weil wir um diese Zeit herum keine Sitzung  gehabt haben. Das „Ja, mach weiter so!“, das ich mündlich oft erhalten hatte, brauchte einfach diese schriftliche Bestätigung, dieses o.k. schwarz auf weiß. Die Rückmeldungen:

  • Deine Form der WGD-Feier entspricht mir sehr und ich glaube auch den anderen Teilnehmern – mache weiter so!
  • … mach bitte weiter damit und bringe auch weiterhin deine eigenen Ideen in die Feier ein. Die Kirche und vor allem wir als Kirchengeher sind sehr froh darüber.
  • Also ich war nur einmal dabei. Mich hat die Form und die Art angesprochen. Ich möchte dich ermutigen da dran zu bleiben.
  • sehr froh, dass du deinen eigenen liturgischen weg suchst
  • nachdem ich es bisher leider nicht geschafft habe an einer Deiner „neuen“ Wort-Gottes-Feiern teilzunehmen kann ich dazu auch nicht viel sagen. Grundsätzlich bin ich aber immer dafür gewesen, finde die Idee gut und hoffe sehr, dass ich mir auch noch ein persönliches Bild davon machen kann. … auch nicht so viele Rückmeldungen gehört, wenn doch, dann positive.
  • Ich war bei einer deiner Agape-Feiern, es hat mir sehr gut gefallen. Ich finde es ist eine würdige Form mit uns zu feiern. … und bitte mach weiter

„Probezeit“ bestanden. Ermutigt, weiterzugehen. Die Anfangsphase, die Phase, in der ich ständig mitdachte, ob die Form passt und angenommen wird, ist vorbei; ich erlebte es im Februar schon so, dass diese Art des Gottesdienstes für mich „normal“ wird und ich im Feiern „aufgehe“, selbst gut mitfeiern kann.

* * *

In den letzten Monaten sind auch einige Detailfragen und vertiefende Gedanken aufgetaucht:

Versuch einer verständlichen liturgischen Sprache

Wenn es sich zeitlich ausgeht, formuliere ich meine Gebete, Fürbitten, … selbst bzw. spontan frei. Gottesdienstsprache muss wieder verständlich werden, soll aber auch für „das Heilige“ öffnen. So sehe ich die Aufgabe (Herausforderung) darin, einfach, aber nicht banal, möglichst ohne theologische Fachwörter, aber trotzdem mit einer zeitgemäßen Theologie im Hintergrund, und zugleich poetisch zu formulieren. Inspiriert von Rotzetter. Sprache An der Grenze zum Unsagbaren. Bisher im Versuchsstadium, angedacht ist eine konsequente Umsetzung.

Der Ablauf

Zeit, den Ablauf preizugeben. Er hat sich seit Beginn ein wenig verändert, ist aber mittlerweile stabil. Möglichst klar und schlicht, war die Devise. Die eine oder andere kleine Anpassung ist allerdings noch möglich.

Einzelne Fragen zu den Feierelementen

* Ortswechsel als Programm & Problem: Agape kann nicht rund um den Altar gefeiert werden. Der Altar ist für die Eucharistiefeier reserviert. Wo dann Agape feiern? Normalerweise ist der Pfarrsaal als Ort der Agape angedacht, wohin man nach dem Wort-Gottes-Teil geht und dort weiterfeiert (vgl. Agape feiern. Grundlagen und Modelle, hg.v. Urs Eigenmann, Werner Hahne, Claudia Mennen, Luzern: Edition Exodus 2002). Wir feiern (wie ich im Oktober geschrieben habe) „Agape in der Kirche (weil am Samstag das Café in der Tuchfabrik offen ist und dort Agape nicht möglich wäre)“. Ein Ortswechsel ist nötig, ja, der Ortswechsel ist Programm, der Kirchenraum bleibt aber der einzig mögliche Raum. Es blieben nicht viele Möglichkeiten innerhalb des Kirchenraumes, genauergenommen nur zwei: rechts hinten (beim Marcel Callo-Bild) oder links hinten (beim Bild „Maria Verkündigung“ von Lydia Roppolt). Der Platz vor dem Bild unseres Pfarrpatrons Marcel Callo (ein Werk von Peter Huemer aus Linz) eignet sich m.E. am besten: Man kommt leicht hin, weil es neben dem Kircheneingang ist, wo wir auch beim Ein- und Auszug vorbeigehen. Der Pfarrpatron wird wertgeschätzt. Und ein drittes: Marcel Callo teilte im Lager Gusen sein Brot, sein Essen mit seinen Leidensgefährten, obwohl er es selbst dringend gebraucht hätte, total entkräftet war. Mich berührt es, im Gottesdienst das Brot zu teilen unter dem Bild von Marcel Callo.

So hat der nötige Ortswechsel ein Problem geschaffen, dessen Lösung den Inhalt der Agape sogar noch betont. 3 Stehtische werden zusammengestellt, Tischtücher, Wasserkrüge, Gläser, Servietten, eine Flasche Wein und eine Art Fladenbrot von der Bäckerei „Fenzl“ – eine einfache Komposition, um die wir uns zur Agape versammeln – und unser Pfarrpatron ist dabei.

* Friedensgruß: Warum der Friedensgruß vor dem Vater unser? Pragmatischer Grund: Ich brauchte ein Element, das anschlussfähig ist nach dem Ortswechsel. Der Friedensgruß schafft schnell Gemeinschaft und Atmosphäre. Theologischer Grund: Wenn man in einer Gruppe zusammenkommt, um gemeinsam zu essen, das Leben zu teilen, dann braucht es Frieden, Versöhnung, dann hat Streit keinen Platz.  Nach dem Ortswechsel treffen wir uns auf eine verdichtete Weise gemeinsam, um Agape zu feiern; wir kommen erst hier wirklich als Gruppe, die sich auch ansieht, zusammen. Daher der Friedensgruß an dieser Stelle der Feier. Jesus trat nach seiner Auferstehung in den Kreis seiner FreundInnen und sagte zuallererst: „Der Friede sei mit euch!“ (vgl. Joh 20,19.26) Der Friedensgruß steht vor jeder gemeinschaftlichen Begegnung mit dem Auferstandenen. Auch daher der Friedensgruß an dieser Stelle der Feier. (Genaugenommen müsste er demnach am Beginn des Gottesdienstes sein …) Übrigens: Auch der Ambrosianische Ritus sieht den Friedensgruß nach den Fürbitten (allerdings: in der Eucharistiefeier = bei der Gabenbereitung) vor (vgl. Wikipedia).

* Credo: Warum kein Credo (Glaubensbekenntnis)? Diese Frage wurde mir gestellt. Ich habe letztens formuliert, dass unsere Gottesdienste meist zu wortlastig sind. Im Wortgottesdienst-Teil fällt es besonders auf, liegt aber in der Natur der Sache: Lesung, Evangelium, Predigt, Fürbitten und vielleicht auch noch ein Psalm – alles Wort. Das Credo, ebenfalls Wort, ist ein wichtiges Element, aber nicht unverzichtbar. Ich habe größte Schwierigkeiten, wenn nach der Predigt sofort das Credo gesprochen wird und es runtergeleiert wird. Die Predigt braucht Zeit (Stille) um nachzuklingen, das sofort anschließende Credo zerstört die Predigtgedanken und das Credo selbst, weil noch niemand bei der Sache ist. Anderer Grund: Das Credo ist ein schwieriger, theologisch dichter  Text. Der aber kaum jemals seinen Stellenwert bekommt.

Auf die Nachfrage hin ist mir aufgefallen, dass der jetzige Ablauf das Credo für mich wieder ermöglichen würde. Die Predigt hat Zeit nachzuklingen, die Wortlastigkeit ist unterbrochen. Gut möglich, dass das Credo seinen Platz bekommt. Es braucht m.E. aber auch manchmal Abwechslung, entweder ein anderes, zeitgemäßes Glaubensbekenntnis, oder auch die Auslassung. Das Weglassen lässt „verrostete“ Elemente wieder auffällig werden, zeigt wieder ihren Wert.

* „Brotteillieder“ gibt es einige. Erstaunlicherweise sind viele „Brotlieder“ nicht exklusiv für die Gabenbereitung der Eucharistie zugeschnitten, sondern offen auch für die Agape. Und es gibt einige eher unbekannte, die ich einmal aufgreifen möchte.

* Schluss: Der Gottesdienst hat ein open end. Manche gehen bald, manche bleiben, um noch zu reden. Dieses fade out ist stimmig; ein kleineres Gefühl, dass es noch nicht ganz passt, habe ich mit dem „offiziellen Ende“ davor. Wir sprechen gemeinsam einen Segen über das Brot, dann spreche ich den Schlusssegen. Dann teilen wir das Brot, und wenn jede(r) ein Stück hat, kommen noch die Verlautbarungen in Kurzform. Ich ziehe mein liturgisches Gewand aus und halte Agape „in Zivil“.

Mir scheint, es gibt keinen passenden Ort für den Schlusssegen und die Verlautbarungen. Es braucht beides. Braucht es beides? – Die Zukunft wird es zeigen, wie das Gottesdienstende schlüssig wird.

Mein Ansatz im größeren Ganzen

Am 26. Jänner 2012 ist in der Wochenzeitung „Die Furche“ ein Artikel eines Pastoraltheologen erschienen, der mir zeigt, dass dieses Thema hochaktuell ist.

Wir denken weiter

Alle bringen etwas mit, damit etwas für alle da ist. Ein sog. „Sättigungsmahl“ am Sonntag? – noch Zukunftsmusik bei uns. Aber Ideen sind im Fluss. Wir denken weiter.

Die Agapefeier sehe ich als Zeichen des Übergangs; sie ist anregend, zukunftsweisend, aber noch nicht das Endergebnis. Ein neuer Morgen dämmert, aber die Schatten der Nacht lassen uns noch nicht die Umrisse des jungen Tages ausmachen.

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2 Antworten zu “Agapefeier, reflektiert

  1. Danke für ein so behutsam angefasstes heikles Thema. Macht wirklich Freude zu lesen, auch wenn die Zeilen schon ein wenig betagt sind! Gruß von einem WGF-Kollegen.

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