Zehn Tage bis Weihnachten – mein Adventversuch
Zwei Wochen vor Weihnachten, um den 3. Adventsonntag herum: Von Advent und von Weihnachtsvorfreude keine Spur. Nichts Neues, weil gerade diese Zeit in meiner Arbeit, in der Pfarre, eine sehr dichte ist. Und doch etwas Neues, weil ich immer noch an dem laboriere, worüber ich hier (am 22.10.? vor 2 Monaten?) gebloggt habe: am Kaum-umgehen-Können-mit-dem-Zustand-der-Welt. Ich bin schwer auszuhalten; wenn ich das sogar von mehreren Seiten zu hören bekomme UND es selbst merke, dann steht dringend eine Veränderung an. Also beschließe ich, die letzten 10 Tage vor Weihnachten, vom 14. bis zum 23.12., ein besserer und christlicherer Mensch zu werden. Nicht nach dem Leistungsprinzip, sondern nach dem Weg der kleinen Schritte. Ich erhoffe mir, für andere und für mich selbst erträglicher zu werden und dadurch auch die zweite Adventhälfte bewusster erfahren zu können.
Ich beginne mit einer Liste von 10 Dingen, die ich in den letzten 10 Tagen vor Weihnachten machen möchte. Für mich alleine, aber auch mit der Familie oder darüber hinaus. Für jeden Tag nur eine Kleinigkeit. Kleine Schritte führen zum Ziel. Und am Abend jeden Tages oder am nächsten Tag in der Früh möchte ich den Tag und seine Kleinigkeit kurz beschreiben (bebloggen). Und am 24.12. dann alles (mit einem hoffentlich positiven Ergebnis) ins Netz stellen.
[Einschub vom 20. Dezember: Fühle mich dazu inspiriert, jetzt schon mit dem Veröffentlichen anzufangen. Begründung unten zu finden.]
Bald ist der 14. Dezember da – es kann losgehen:
14.12. - Ich beginne mit dem scheinbar Leichtesten von der Liste: „freundlich sein zu anderen“. Ich habe es fast 100%ig geschafft. Ich reiße mich zusammen, wenn ein Anflug von Ärger oder Aggression in mir hochsteigt. Es tut gut. Es tut gut, einmal einen Tag lang zu verbringen, ohne „auszuzucken“. (War also die Tage davor anders.) War mein adventlichster Tag im heurigen Advent. Kann so weitergehen.
15.12. - Ich habe mir für diesen Tag vorgenommen, zu „bloggen über’s Barcamp (hab ich versprochen)“. Das Ergebnis kann man/frau hier nachlesen: Zeltl’n hinter der Bar!? Es hat genauso viel Energie gekostet, wie ich’s mir vorgestellt habe: nicht zuviel und nicht zuwenig. Der Text beim Bloggen ist ja nicht das Problem, der schreibt sich relativ schnell; aber dann alles in eine ansprechende Form bringen, mit Fotos usw., das zieht sich manchmal (ok, meistens). Aber ich habe das Bloggen an diesem Tag genossen, weil es endlich wieder ein Stück Freizeit war, die ich kreativ gestalten konnte. War ein guter Adventtag im Sinne von „den Tag nicht mit Arbeit vollstopfen“.
16.12. - Für diesen Tag hatte ich mir von der Liste vorgenommen, zu „beten für Menschen, die es vielleicht brauchen„. Das „die es vielleicht brauchen“ hatte ich schon auf der Liste durchgestrichen, weil ich nun wirklich nicht weiß, wer es braucht oder wer nicht; oder, was wahrscheinlicher ist: jede(r) kann es brauchen, und dann ergibt das „vielleicht“ keinen Sinn. Wie dem auch sei, ich war den ganzen Tag in der erwartungsvollen Stimmung, mir am Nachmittag ein paar Minuten Zeit zu nehmen. Nur – der Nachmittag verging, und anderes kam dazwischen. Am Abend brachte der Bußgottesdienst eine wirklich meditative Stimmung mit sich, die auch mich ergriff; nur Zeit, um für andere zu beten, hatte ich auch in diesem Bußgottesdienst nicht wirklich. Dann hatten wir die pfarrliche Weihnachtsfeier, und ich war im Nachhinein wirklich froh, mit dem Auto dagewesen zu sein, weil ich mich dadurch vor einem möglichen „Absturz“ bewahrte. Auch (fast) nüchterne Weihnachtsfeiern können erfreulich sein! Nach Mitternacht (und nach einer Zeit für die Beziehung, die ich mir um diese Uhrzeit sonst eh nie nehme, weil um diese Uhrzeit sonst nur die Pumpe des Aquariums munter ist) fand ich vor dem Einschlafen meinen Vorsatz wieder und dachte an all die Menschen, für die ich beten wollte. Es war ganz schlicht – ich zählte alle Menschen lautlos auf und zum Abschluss dachte ich noch, dass Gott die Bitten für diese Menschen, die mir am Herzen gelegen sind, sowieso kennt, und diese somit gut aufgehoben sind. Dann schlief ich ein.
17.12. - Drei freie Tage lagen nun vor mir. Samstag, Sonntag, Montag. Wenn, dann sollten diese am leichtesten „adventlich“ werden … Doch – meistens kommt alles anders als geplant. Am Samstag gab es schließlich (nach Umplanung der Liste) „eine ausgiebige Zeit vor (hinter?) dem Adventkranz“. Auch dazu bin ich in diesem Advent noch fast nicht gekommen. Wie verbringt man/frau Zeit vor dem Adventkranz? In die Kerzen starren schauen ist eine Möglichkeit, aber die reichte mir für diesen Tag nicht. Singles könnte ich empfehlen, eine „adventliche CD“ einzulegen (= Tipp für Singles, die noch CDs besitzen). Ist auch für Paare geeignet. Familien mit Kindern, die schon singen können, kann ich nur empfehlen: Singt! Wir haben auf jeden Fall einige adventliche Lieder gesungen, kirchliche wie weltliche, aber auf jeden Fall bekannte. Mit Gitarre war’s schön. (Auch ohne Instrument möglich.) Ich erinnere mich noch immer gern an die Zeit um den Adventkranz in der Kindheit. Wir hörten „adventliche Texte“ und sangen ein, zwei Lieder. Als wir älter wurden, hat sich das aufgehört. Das fand ich damals schade. Heute bin ich froh, dass ich Kinder habe, die einem die Gelegenheit geben, ausführlich Zeit um (/vor/hinter?) den(/m) Adventkranz zu verbringen. Das Leben kann ganz schön schön sein.
Dieses Foto ist wirklich vom 17.12.; gut sichtbar ist unser „Adventelch“, der seit ein paar Jahren Stammgast auf unserem Adventkranz ist. (Die 4. Kerze ist bewusst noch nicht angezündet worden.)
Ich überwand dann sogar noch meinen inneren Schweinehund und ging laufen. Es war nasskalt, regnete ein bisschen, aber drei Runden im Hummelhofwald brachten viele gute Erkenntnisse. (Die heb ich mir für eine Predigt im neuen Jahr auf.) Und Laufen ist ein wundervoller Aggressionsabbauer.
18.12. - Heute wollte ich „die Feiertage planen, ohne zu streiten“. Das war – entgegen der vorweihnachtlichen Erfahrung von vielen Menschen und von mir selbst – nicht mehr schwierig, nachdem sich in den letzten Tagen einige Dinge bezüglich Weihnachtsbesuchen schon geklärt haben. Apropos Besuch: Wir bekamen Besuch, von unserem Patenkind und seinen Eltern. Danke für die Zeit, die ihr hier wart! (Sonst war der Sonntag durchschnittlich.)
19.12. - Die Liste hatte ich über’s Wochenende im Büro vergessen. Blöd! Ich wollte einen Tag ohne Facebook machen, und hab das auch gemacht; vor ein paar Wochen wäre mir das richtig schwer gefallen, derzeit fällt es mir viel zu leicht. Und das ist das Blöde daran: Auf meiner Liste stand: „ein Tag ohne Facebook, oder, wenn das zu leicht ist, eine ganze CD anhorchen“. Hm, ich hab’s verbockt. Noch schlimmer: Ich hatte den ganzen Tag miese Stimmung. Game over?
Zwischenbilanz am 20.12.: Der Adventversuch gestaltet sich unterschiedlich schwierig: manches fällt mir zu leicht, manches ist schwierig unterzubringen; und dann blieb auch noch die Liste liegen … Meine Stimmung ist unterschiedlich, aber könnte sich noch deutlich heben. Darum habe ich beschlossen, heute schon online zu gehen, als Motivation, damit ich mich endgültig zusammenreiße … Game noch nicht over, ich hole einfach einen Punkt zwischendurch mal nach.
Ab jetzt gibt’s also jeden Tag ein Update (zum Vortag – also morgen für heute usw.). Täglich mitlesen erlaubt.
20.12. – Dieser Tag war sehr vorweihnachtlich angehaucht. Am Vormittag machte ich mir Gedanken zur Predigt in der Mette, und nach nicht einmal zwei Stunden war sie auch schon fertiggeschrieben. Überarbeitung folgt, aber ich bin zufrieden. Wurde ganz anders als das, was ich ursprünglich predigen wollte. (Werbeeinschub: 24.12., 23.00 Uhr, Kirche in der Tuchfabik: Weihnachtsmette.)
Holte die CD von gestern nach. Am Nachmittag war ich im Büro allein, und so wurden es sogar ganze zwei CDs, die ich mir (nebenbei) anhorchte. Teile von beiden hörte ich dann noch einmal in der abendlichen „Taufgrottenmeditation“, die wir jeden Dienstag im Advent anbieten. Der Tag war fast zu besinnlich, und endete daheim mit einem wunderlichen-wunderbaren Film: Mr. Magoriums Wunderladen.
Alles in allem: ein Adventtag, den ich genoss.
21.12. – Die restlichen Vorhaben der Liste scheinen nicht mehr recht zu den restlichen Tagen zu passen, die von vorne bis hinten vollgestopft sind mit Terminen. Naja, ich probier’s. Ich wollte „den Haushalt einen Tag lang ohne eine blöde unmotivierte Bemerkung machen“, und – ich schaffte es! Es war ein total dichter Tag, am Vormittag musste ich daheim neben den Kindern arbeiten, zu Mittag kochen, dann noch schnell in den Kindergarten und einkaufen fahren, heim, den Einkauf ausräumen, dann brauchte ich mal eine halbe Stunde zum „Daunisitzn“, bevor’s nach Auwiesen ging, wo ich den Nachmittag im Büro und den Abend mit einer Sitzung verbrachte. Um halb 10 fuhr ich noch schnell in die Stadt.
Der Haushalt war leicht zu handhaben an diesem Tag, war das Angenehmste. Keine unmotivierten Bemerkungen.
Außerdem nahm ich mir noch einen zweiten Punkt von der Liste vor, und so verbrachte ich die Zeit nach 22 Uhr als „Zeit zu zweit“. Im Trubel dieser dichten Tage Zeit für die Beziehung finden ist doppelt wertvoll/schön! Und so endete auch dieser Tag mit einem zufriedenen Rainer.
22.12. – Es war Zeit, „mir Zeit für ein Buch [zu] nehmen“. War zwar total müde am Abend, aber ich suchte noch eines meiner Lieblingsbücher aus dem Regal und las noch zwei Kapitel. Seltener Fall von Büchern, die auch noch beim 4. Mal Lesen ihren Zauber voll, wie neu, entfalten.
23.12. – AmVormittag hatte ich einen Schulgottesdienst, der mich sehr berührte. Mundartgedichte zum Thema Weihnachten, von SchülerInnen frei vorgetragen. War vom Feinsten.
Ich feierte schon am Vortag, am 22., zwei Gottesdienste, einen Schulgottesdienst und unseren wöchentlichen Donnerstagabendgottesdienst. Gerade am Abend war die Stimmung in der Kirche einzigartig. In vier Tagen sechs (Vor-)Weihnachtsgottesdienste (am 24. werden es zwei sein, am 25. einer), da kann man/frau Weihnachten gar nicht übersehen; das ist schon ein „Vorteil“ meines Berufes. Ist zwar grenzwertig dicht, aber spätestens nach dem 2. Schulgottesdienst ist man/frau eingestimmt auf das, was vor uns liegt.
Der ganze Nachmittag war geprägt von einer ruhigen, fast schon besinnlichen Geschäftigkeit im Pfarrzentrum. Hatte das noch nie so intensiv erlebt.
Bei so viel adventlicher Erfahrung hat es mich nicht mehr gestört, dass ich „Spielen zu viert“ (als letzter offener Punkt von der Liste) nicht mehr schaffte. Die Tagesabläufe waren durchgeplant und es blieb nur mehr ein wenig Zeit, dass ich allein mit den Kindern spielte. Immerhin. Beim Spielen geht es ja um die Freude der Kinder am Spielen. (Oder?)
So, und jetzt bleibt mir nur mehr übrig, Frohe Weihnachten! zu wünschen. Besinnliche Feiertage, ob laut oder ruhig!
Abendstimmungen, innen wie außen
Gestern am späten Nachmittag, innerhalb von ein paar Minuten, Ausschnitte vom Fensterbrett, im Licht der schnell (und bald) untergehenden Sonne:
Drinnen kommt das (natürliche) Licht noch von außen, draußen kommt das Licht von innen (und von den Spielplatzbeleuchtungen). Auch künstliches Licht kann Stimmung erzeugen; eine Impression vom Abendspaziergang:

In der Au
Kürzlich in der Au, Gegenlicht im Augenblick, neblig-sonnig, hell und dunkel, Straße – ja, eine asphaltierte Straße mitten durch die Au – und Wald, mystische Stimmung:
Eine Assoziation taucht auf: Einer meiner Lieblingsausdrücke in der Bibel, „auf grünen Auen“, hat eine Auenlandschaft im Blick, wenn auch wahrscheinlich eine warme, sonnig-erfrischende, nicht eine novembrig-nebelige; mir gefällt dennoch, wie jede(r) Leser(in) sich sein/ihr Bild dazu vorstellen kann, die Offenheit des Bildes:
Der Herr* ist mein Hirte; / nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen / und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
(Psalm 23,1-2; * = Gott)
Manchmal wird der Psalm auch bei Begräbnissen verwendet; und da kommen meine Gedanken wieder zum traurigeren, mystischen Bild der Au zurück: während vom erfüllten Leben „auf grünen Auen“ gesprochen wird, hören die Trauernden das Wort „Au“ nur durch einen Tränenschleier hindurch …
Derzeit fühle ich mich ganz klar dem mystischen, nicht dem klaren Bild von „Au“ verbunden.
PS: Die Hobbits wohnen doch auch im Auenland … (Psalm23-Imaginationsfutter)
Seit meinem vorletzten Blogeintrag sind ein paar Wochen vergangen, in denen manche meiner Arbeitsbereiche äußerst spannend waren; „spannend“ im Sinne von „aufregend“, aber auch im Sinne von „spannungsgeladen“. Sehr bald wusste ich, dass ich diesem Blogeintrag einen weiteren, fortsetzenden Eintrag folgen lassen wollte; heute ist es soweit: es geht wieder um die Agape als Teil meiner „Gottesdienste neu“. (Ohne ersten Teil, hier zu finden, sind diese Ausführungen schwer zu verstehen.) Es sind lose Punkte, die keine Argumentationskette sein sollen und nur teilweise miteinander zusammenhängen; das spiegelt mein Denken darüber wieder, das sich in verschiedenste inhaltliche Zusammenhänge mit der Agapefeier, die aber untereinander nicht zusammenhängen, eingenistet hat.
* Am 17. September 2011 hielt ich die erste Wort-Gottes-Feier mit Agape statt Kommunionspendung. Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv, auch vorher skeptische Personen, die mitfeierten, fanden, dass es eine gelingende Form, miteinander den Samstagsabendgottesdienst zu feiern, sein kann. Ich selbst war am Beginn aufgeregt, habe aber die Agape dann ruhiger genießen können – jedem Anfang wohnt nicht nur ein Zauber, sondern auch eine gewisse (positive) Aufgeregtheit inne.
* Weniger aufregend, aber für mich genauso stimmig war die zweite solche Feier am letzten Samstag (22. Oktober). Jedoch merkte ich am Sonntag (in der Eucharistiefeier), dass die Elemente vom Samstag nicht ganz passten; der Samstag war ein rundes Ganzes, der Sonntag hingegen zusammengestückelt aus meinem Wortgottesdienst und der Eucharistie, die der Pfarrer feierte. Auch das zeigt mir, dass ich am Samstag meine Gottesdienstform gefunden habe.
* Liturgie ist Sache der Liturgen. Aber nicht nur. Ich dachte mir, mein „Informationsfluss“ sei genug gewesen. Abgesprochen war es mit unserem Pfarrer, dem Leiter des „FA Liturgie“ und der PGR-Leitung. Außerdem stand es im sonntäglichen Gemeindebrief. Und der Dechant wurde informiert. Dadurch, dass ich die Änderung probeweise umgesetzt habe, dachte ich mir, das müsse reichen. Tatsache ist, dass es keine grundsätzliche Änderung der liturgischen Ordnung bedeutet. Maximal einmal pro Monat – am Samstagabend (= bei uns mit einem überschaubaren Gottesdienstgeher-Kreis) – mit einer Form, die auch anderswo kath. annerkannt ist (s.u.) – gut bekanntgegeben. Was sollte schiefgehen? – Letztlich kam für mich die positive Erkenntnis raus, dass Gottesdienste für die Feiergemeinde einen wichtigen Stellenwert haben und auch im PGR diskutierenswert wären. Grundsätzlich ist aber m.E. der FA Liturgie zuständig und dort wird es Anfang November (und nochmals im neuen Jahr) Thema sein. Liturgie ist Sache der Liturgen.
* Exkurs zur „Pfarrer-Initiative“ (von deren „Aufruf zum Ungehorsam“, Nr. 4, ich mich zuletzt klar abgrenzte): Ich kann mich folgenden Punkten sehr gut anschließen (um mich einmal zu deklarieren):
- „Vor Gott gilt Redefreiheit.“ Ob ich Gott deswegen jede Woche um Kirchenreform bitten muss, ist eine sekundäre Geschichte. Dieser eine Satz drückt für mich zwei der zentralen Schwierigkeiten unserer Kirche aus: Eine Richtung wird von der anderen, die Machtposition innehabenden Richtung nicht verstanden. Und generell können wir nicht mehr wirklich miteinander reden.
- „WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.“ – Ja. Die Bezeichnung „liturgische Gastspielreisen“, die auch heftig kritisiert wurde, gefällt mir (als Wortspiel-Liebhaber) besonders. Priester wollen nicht und dürfen auch nicht auf reine Sakramentenspender reduziert werden. Schade allerdings, dass die „Pfarrer-Initiative“ den aktuellen theologischen terminus technicus „Wort-Gottes-Feier“ nicht kennt (und stattdessen den alten Begriff „Wortgottesdienst“ verwendet). Und mit „besser“ habe ich meine Schwierigkeiten: besser wäre „sinnvoller“, „lieber“ o.Ä. gewesen. Gottesdienstformen sollten nicht ihrer Qualität nach („besser“, „schlechter“, …) verglichen werden. Vielleicht bin ich wortklauberisch, aber auch „selbstgestaltet“ passt hier nicht. Auch Eucharistiefeiern sind „selbstgestaltet“. Oder? – Jedenfalls fällt mir auf, dass die Thesen nicht so scharf formuliert sind wie sie gemeint sind.
- „WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.“ – Einer der Punkte, die überall schon so gehandhabt werden. Nichts Neues. Die Begründung ist (auch theol.) gut.
- „WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern.“ Dadurch, dass alles aus Pfarrersicht = Priestersicht geschrieben wurde, kann ich sowieso nur inhaltlich zustimmen, aber nichts selbst umsetzen. Inhaltlich ist ein Verbot für der Teilnahme der Tischgemeinschaft total unjesuanisch.
Die weiteren Punkte kann ich nicht 100%ig unterschreiben. Punkte 6 und 7 mit dem „neuen Priesterbild“ wären etwas für einen eigenen Blogeintrag.
* Auch ein Kollege hat sich Gedanken gemacht. Hier nachzulesen. Dazu nur ein paar kurze Anmerkungen, lieber Herbert:
- Die „Pfarrer-Initiative“ meinte „Priester“ in „priesterlos“ soziologisch-kirchenrechtlich, während du damit zuerst biblisch-dogmatisch argumentierst (nur Jesus Christus sei Priester im NT; wir alle seien Priester, so das II. Vatikanum durchaus biblisch).
- Ich habe meine Bedenken gegen die inflationäre Verwendung des Begriffes „allgemeines Priestertum aller Getauften“. „Das Volk“ kann damit nichts mehr anfangen. Ich verstehe den Begriff als Theologe und auch inhaltlich, aber kann mich sprachlich nicht damit identifizieren; „Priester“ ist viel zu sehr ein kirchlicher Kampfbegriff geworden in unseren Breiten. (Entschuldigung, geschätzte Priester, aber das entspricht meiner Wahrnehmung.) Ich verwende lieber den Begriff „Söhne und Töchter Gottes“ bzw. „Kind Gottes“, auch wenn der gesellschaftlich kaum mehr relevant ist. Als „Töchter und Söhne Gottes“ sind wir dem Begriff nach ebenso alle gleich und auch fähig, mit Gott „gottesdienstlich“ in Verbindung zu treten.
- Du bringst in deinen Punkten sehr viele Argumente aus verschiedensten Bereichen vor; wenn ich auch damit kann, so werden wir diese Frage letztlich nur theologisch lösen können. Deine Schlussfolgerung „Die Zulassung verheirateter Frauen und Männer für den Leitungsdienst, der auch den Vorsitz in der Feier der Eucharistie inkludiert, ist eine dringende pastorale Notwendigkeit und theologisch absolut gerechtfertigt“ ist m.E. korrekt: theologisch auf jeden Fall rechtfertigbar, pastoral notwendig. Pastoral notwendig? Wenn wir unsere Kirche so weiterbauen wollen wie bisher, ja. Wenn wir in die Zukunft gehen wollen, ist es soziologisch notwendig, damit Kirche anschlussfähig bleibt; das Priester- wie Pfarrerbild gehört m.E. (genauso wie andere Rollenbilder unserer Kirche) jedoch theologisch wie pastoral überdacht.
- Mit deiner Re-Formulierung kann ich nichts anfangen. Theologisch weiß ich, was du damit meinst, aber sie ist in meinen Augen noch verfänglicher als die ursprüngliche der „Pfarrer-Initative“, weil du „Kraut und Rüben durcheinander“ bringst. Nicht böse gemeint.
- Was der Wille Gottes für unsere Kirche in ihrer jetzigen Situation ist, weiß ich schon lange nicht mehr. Wir sind jedoch herausgefordert, „den Geist wehen zu lassen“, einander zuzuhören und wenn nötig Änderungsvorschläge im Sinn der Redefreiheit vor Gott gemäß unseren Möglichkeiten einzubringen.
- Ich schätze es, wenn wir unsere, wenn du deine Gedanken teilst. Die (Internet-)Öffentlichkeit gehört uns allen.
* In der Predigt am 17.9. ging ich kurz auf die „Not der Kirche“ ein, bevor ich formulierte, kleinere Veränderungen könne man an der Basis angehen:
Veränderung bringt nichts, wenn es nur um die Veränderung an sich geht. Damit sich was tut. Gerade in unserer Kirche, in der vieles eine lange Tradition hat, ist es nicht möglich, Veränderung nur aus einem Bauchgefühl heraus voranzutreiben. Veränderung geht im Gesamt der Kirche nur, wenn es unbedingt nötig und theologisch argumentierbar ist. Vieles ist theologisch argumentierbar, und die Argumente, die die kritischen Stimmen haben, sind oft weit besser als die Argumente derer, die sich auf die Tradition berufen. Einiges in der Tradition ist von einer theologischen Argumentation getragen, die lange und unhinterfragt für richtig gehalten wurde in der Kirche, die aber von der modernen Theologie der letzten Jahrzehnte als nicht richtig entlarvt wurde. Kurz: Wenn auch Veränderungen in der Kirche theologisch machbar wären, sie werden vermutlich nur kommen, wenn es unbedingt nötig ist, wenn die Not zu groß wird. Das ist noch nicht der Fall. V.a. aber müssten die, die die kirchliche Macht ausspielen, zuerst ihre theologischen Prämissen verändern. Allerdings: im Kleinen, in den Pfarren z.B., können wir ausprobieren, was theologisch argumentierbar ist.
Ist die Not noch nicht zu groß? Für den Vatikan auf keinen Fall. (Sonst würden sie ja etwas ändern.) Für uns in Oberösterreich in vielen Pfarren: ja, doch, sicher, die Not ist spürbar. Aber welche Not? Die Not, keinen Priester, keinen Pfarrer zu haben. (Mehr dazu >> Blogeintrag irgendwann 2012.) Auf jeden Fall ist es eine innerkirchliche Machtfrage. Das ist ja die Tragik: dass nicht die theologischen Argumente zählen, sondern allein die veraltete Bibelauslegung derer, die die Macht haben, – und somit allein die Machtargumente. Wo fängt die Not an? Wo hört Gehorsam auf? Wo fängt die Macht an und wo hört sie auf? Fragen über Fragen, die innerkirchlich nicht auf einem sinnvollen Level kommuniziert werden.
* „Das Volk“, oder differenzierter gesagt, einige (viele?) Ehrenamtliche in den Pfarren hätten nichts dagegen, wenn ich als Pastoralassistent eine Eucharistiefeier, eine normale Messe feiern würde/dürfte. Mir selbst ist die Eucharistie auch wichtig und – ehrlich – es schmerzt manchmal, vorne zu stehen, und „zuzuschauen“, wie neben mir ein Priester „wandelt“. Ich fühle, dass ich „die Verbindung herstellen“ könnte … Aber Eucharistie ist das Zentrale, was den Priestern „geblieben“ ist (aus einer kritischen Priestersicht, die sich immer mehr beschnitten sieht in ihren eigensten Aufgaben); hier in „fremde Gewässer einzutauchen“, überschreitet m.E. jegliche aktuelle Grenzen des guten Gespürs.
* Die Reduzierung auf das Wesentliche tut gut. Stille als wertvoller Teil des Gottesdienstes. Möglichkeit zum Nachdenken über die biblischen Lesungen nach den Predigtgedanken während eines Klavier-Instrumentals. Nichts ist mir liturgisch mehr zuwider als das bloße „Mess-Lesen“, das Herunterleiern von Formeln, wobei der Inhalt in der Form nicht spürbar wird. Als Gottesdienst-Leitender ist mir wichtig, dass ich selbst mitfeiern kann, und das geht am besten, wenn ich Zeit habe, die vielen Worte auch „einsickern“ zu lassen. (Unsere Gottesdienste sind eh viel zu wortlastig …)
* EINE KLEINE BEGRIFFSKLÄRUNG ZUR „AGAPE“ ( zitiert nach Wikipedia):
Etymologie: Das griechische Verb agapao bedeutet „sich zufrieden geben mit etwas“, aber auch „jemanden mit Achtung behandeln, bevorzugen“.
Agape als Liebe: Im neutestamentlichen Griechisch bedeutet Agape mit einigen Ausnahmen (2 Thess 2.10; 1 Tim 4.10; Judas 1:12, 1Joh 4.7, 1Joh 2.15) immer Gottes reine und göttliche Liebe. Agape ist also eine bedingungslose, einseitige, befreiende, auf andere zentrierte Liebe. …
Agape als Liebesmahlfeier: Paulus kritisierte im 1. Brief an die Korinther deren Praktik, dass jeder zur Agape (Liebesmahlfeier) nur noch selbst Mitgebrachtes aß und nicht mehr teilte, so dass Unterschiede zwischen den eigentlich gleichen Gemeindemitgliedern sichtbar wurden …
In der frühen Kirche war die Agape ein Synonym für die Eucharistie. Hierbei brachten die Christen Lebensmittel und Wein mit, die gesegnet und dann gemeinsam verzehrt wurden. Damit erfüllte die Agape neben der rituellen Aufgabe auch eine karitative. Die Praktik der Eucharistie als Sättigungsmahl stammt wohl von den jüdischen Kiddusch-Feiern am Sabbat. Hierbei findet zumindest in liberalen jüdischen Gemeinden nach dem Gottesdienst noch eine Mahlzeit statt.
Agape als Mahlfeier im katholischen und evangelischen Bereich: Auch heute bezeichnet Agape mitunter ein Sättigungsmahl der christlichen Gemeinde, beispielsweise im Anschluss an einen Gottesdienst. In katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden ist Agape auch die Bezeichnung eines gemeinsamen Mahles nach einem besonderen Gottesdienst, z. B. nach der Osternacht oder einer Hochzeit. Das Wort lehnt sich an das „Liebesmahl“ des Frühchristentums an.
Wirklich spannend ist, wie sich das „Abendmahl“, „Liebesmahl“ oder auch „Herrenmahl“ (es gibt verschiedene Bezeichnungen dafür) im Urchristentum entwickelt hat. Total bereichernd ist da das Buch: Johannes Hoffmann, Das Abendmahl im Urchristentum: Eine Exegetische und Historisch-Kritische Untersuchung, Berlin 1903. (In einigen modernen Auflagen erhältlich.) Teile davon habe ich „durchgeackert“, eine Kurzzusammenfassung ist leider hier nicht möglich.
Aktuell liturgisch-praktisch hilfreich sind zwei Dokumente aus der Schweiz (Insider: „Schweizer Katholiken“ *lol*):
- Eucharistiefeier. Wortgottesfeier. Kommunionfeier. Agapefeier. Grundsätze, Richtlinien und Arbeitshilfen für die Seelsorgenden, Bistum Basel 2005 – 20 schlanke, theologisch hochwertige und praktisch brauchbare Seiten!
- Agape feiern. Grundlagen und Modelle, hg.v. Urs Eigenmann, Werner Hahne, Claudia Mennen, Luzern: Edition Exodus 2002 – 220 Seiten starkes, fast überall vergriffenes, kaum auffindbares Buch, das jetzt fröhlich bei mir herumliegt, aber zu dem ich leider noch kaum gekommen bin; ich zitiere nur den Buchrücken:
Den Gemeinden stehen heute immer weniger Priester zur Verfügung. Dennoch wollen Christinnen und Christen zusammen den sonntäglichen Gottesdienst feiern. Häufig möchten sie dies – trotz der kirchenamtlich verordneten Antiökumene – auch über die konfessionellen Grenzen hinweg tun. Auf solche Nöte und Bedürfnisse antwortet das Buch „Agape feiern“. Es enthält Modelle, wie Gemeinden priesterlose und ökumenische Gottesdienste gestalten können. Zudem werden die biblischen Ursprünge und deren theologische Deutung präsentiert. „Agape“ ist ein programmatisches Leitwort: Es kennzeichnet die Nähe der vorgelegten Modelle und Erfahrungen zur Mahlpraxis Jesu und zu den urchristlichen Versammlungen des „Brotbrechens“ und des „Herrenmahls“. Zugleich wollen Autorinnen und Autoren einen Beitrag zur Erneuerung der häuslichen Esskultur leisten.
* Kleine Ironie am Rande: Meine Agape-Feiern sind dem ursprünglichen Herrenmahl näher als die jetzige Form der Eucharistiefeiern. Denen wollte ich ausweichen, und bin bei einer Form gelandet, die dem nahesteht, woraus sich die Eucharistie entwickelt hat. Das erinnert an den Buchrücken. Von der Grundstruktur bin ich den Schweizern ähnlich, allerdings feiern wir Agape in der Kirche (weil am Samstag das Café in der Tuchfabrik offen ist und dort Agape nicht möglich wäre).
* Eine der Rückmeldungen (nach der 1. Feier), die mir am meisten gefiel, war sinngemäß die: „Wenn es auch einen Aufstrich (oder noch mehr) gäbe, dann würde es sich herumsprechen und es würden viel mehr wegen des Essens kommen, und das wäre für einen Gottesdienst problematisch“. Die Idee mit dem Aufstrich hatte ich auch. Und wenn es kein Schlemmern um des Schlemmerns willen wird, sondern „zivilisiertes Essen“ im Rahmen des Gottesdienstes bleibt, warum nicht? Bzw.: ja, natürlich! Interessanterweise hat mich ein älteres Paar bei der 2. Feier angesprochen und mir lächelnd (und durchaus ernst) gesagt, das nächste Mal nähmen sie ein wenig Fleisch mit. Ja. Super. Das liegt genau auf der Linie, die mir vorgeschwebt ist. Essen und Trinken, mit Brot und Wein im Mittelpunkt, aber nicht nur. Essen und Trinken als Erinnerung an die Mahlzeiten Jesu, in denen immer auch Gott Platz hatte, und an die Mahlfeiern der Urgemeinde, in denen Jesus die Mitte war. Ich denke an eine mögliche Weiterentwicklung in Richtung sozialer Gottesdienst; wo – wenn wahrscheinlich die nicht kommen, für die Essen eine tägliche finanzielle (Überlebens-)Frage ist – zumindest für diese Menschen gesammelt wird (= für die Pfarr-Caritas, wo Hilfesuchende anklopfen). Derzeit verwende ich Brot aus einer regionalen Bäckerei, möglich ist auch eine Erweiterung auf Bio- bzw. fair gehandelte Produkte. Gemeinsam werden wir eine passende Form der Agape finden. (Nein, auch wenn ich Kaffee liebe, werden wir kein Kaffeekränzchen abhalten…!!!)
* Zu den „vorkonsekrierten Hostien“ (die mir scheinbar nicht ganz geheuer sind): Ich las in den letzten Wochen einen spannenden liturgischen Artikel mit dem Titel „Wann fing man an, die in einer Messe konsekrierten Hostien in einer anderen Messe auszuteilen?“ (aus: Peter Browe, Die Eucharistie im Mittelalter. Liturgiehistorische Forschungen in kulturwissenschaftlicher Absicht, mit einer Einführung hg.v. H. Lutterbach und Th. Flammer [Vergessene Theologen Bd. 1], Berlin: LIT Verlag 52010, 383-393) Ein paar Auszüge, die mir neu waren, weil ich mich damit nie beschäftigt hatte:
Wie die Gläubigen früher nur in der Messe kommunizierten, der sie beigewohnt hatten, so gab man ihnen auch nur das Brot und den Wein, die in ihr konsekriert worden waren. Nie hat man aus einer früheren Messe etwas aufbewahrt und in einer späteren ausgeteilt; …
Die Gläubigen haben das Brot und den Wein selbst mitgebracht und dem Liturgen übergeben, der sie Gott aufopferte, weihte und ihnen dann als Opferspeise zurückgab. …
Da in den ersten Jahrhunderten die Brote ziemlich groß waren, blieb natürlich oft etwas übrig, für das man keine Verwendung hatte und das man den Gläubigen wieder mit nach Hause gab, …
Als jene Sitte, konsekriertes Brot mit nach Hause zu nehmen, abgekommen war, entstand die Frage, was mit dem nach der Kommunion übriggebliebenen zu machen wäre.
Meist wurden nur ein paar zu viel konsekriert; für die übrigen gab es die unterschiedlichsten Arten der „Entsorgung“ oder Verzehrung. „Vorkonsekrierte“ Hostien sind auf jeden Fall ein pastorales Produkt des Mittelalters. Nüchtern endet der Aufsatz mit der Feststellung (samt Fußnote):
Heutzutage werden fast immer Hostien ausgeteilt, die in einer früheren Messe konsekriert worden sind. – Die Frage, ob der Empfang einer Hostie, die in der Messe, der man beiwohnt, konsekriert worden ist, der Art und dem Werte nach verschieden ist von dem Empfang einer in einer anderen Messe konsekrierten, ist erst seit dem 18. Jahrhundert erörtert worden.
Mein heutiges Schlusswort: Wie man/frau sieht, stellen sich in den verschiedenen Jahrhunderten verschiedene theol. Fragen, und ähnliche Fragen werden auch immer wieder verschieden beantwortet. Einzementiert ist wenig. Das gibt Hoffnung, zumindest für die ferne Zukunft. – In der Gegenwart erlebe ich jetzt schon eine Form der Gottesdienste, die wieder mit dem Alltag zu tun hat und die Mut macht, auf dem angefangenen Weg weiterzugeh’n.
Zornig, wütend, traurig, …
Ich bin vermutlich als eher ruhiger, besonnener, freundlicher, friedliebender Mensch bekannt – und will meistens auch so sein. Aber – derzeit zerreißt es mich fast bei manchen Themen, Aussagen, Nachrichten. Täglich.
Zornig, wütend, traurig, mit dem Kopf schüttelnd, so fühle ich mich derzeit.
Weil zu vieles zusammenkommt:
- Weil Europa am Abgrund steht und gewählte und bezahlte Politiker (auch in Österreich) in Starre verfallen und Durchhalteparolen ausgeben;
- weil die einfachen Leute eines Landes im Süden Europas massenweise in die verordnete Armut getrieben werden, obwohl sie nur einen sehr geringen Anteil tragen an der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 und an den bedenklichen Finanzspekulationen derer, die Geld und Risiko mehr lieben als die Vernunft;
- weil wir in unserer Kirche nicht mehr gut miteinander reden können – weil unsere Positionen so weit auseinanderliegen; weil jede(r) meint, er wisse, wie der Hase läuft; weil manche sowieso alles besser wissen; weil wir Sprachbarrieren haben; weil wir uns nicht trauen, etwas zu sagen; weil wir einander nicht wirklich und richtig zuhören; usw.;
- weil Menschen in unserem Land, die jahrelang über die weltweiten Verhältnisse gelebt haben, jetzt entweder nichts am System verändern wollen (weil es ihnen eh gut geht), oder gegen Sündenböcke schimpfen und schlechte Stimmung machen, zu ihrem eigenen (politischen) Vorteil (weil sie sich selbst als baldige Nutznießer der Macht sehen);
- weil den jungen Menschen (und zu denen zähle ich mich noch), denen aller Voraussicht nach keine üppigen Zeiten bevorstehen, mit jeder falschen Entscheidung oder mit jeder Entscheidung, die aufgeschoben, aufgeschoben, aufgeschoben wird, immer weniger Möglichkeiten zur Gestaltung einer passablen Zukunft bleiben;
- ja, und nicht zuletzt, weil weltweit Menschen als Freiwild gesehen und einfach abgeknallt werden – von beiden Seiten, den (scheinbar) „Guten“, und den (sogenannten) „Bösen“.
Die Welt ist im Argen. Ich will trotzdem weiterhin optimistisch sein. Fröhlich sein. Freundlich. Friedliebend.
Einmal tief durchschnaufen. Auch das hilft derzeit kaum. Klare Sicht täte uns allen gut. Da stoße ich wieder auf das bekannte „Gelassenheitsgebet“:
Gott, schenk mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(leicht überarbeitete Fassung des sonntäglichen Gemeindebriefes der Pfarre Linz-Marcel Callo vom 23.10.2011)
Die Pfarrer-Initiative ist im Gespräch. Ich befürworte mehrere Punkte ihres „Aufrufs zum Ungehorsam“ (v.a. die, die schon längst Realität sind), stimme aber nicht mit allem überein. Meine größten Schwierigkeiten habe ich mit der Aussage Nr. 4:
WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als „priesterlose Eucharistiefeier“ ansehen und auch so nennen.
Ich wehre mich dagegen, dass die von mir gehaltenen Gottesdienste, in denen das Wort Gottes gefeiert wird (woher die neue offizielle Bezeichnung „Wort-Gottes-Feier“ stammt) und an einigen Orten – wie auch bei uns in Auwiesen – anschließend die schon in einem früheren Gottesdienst von einem Priester gewandelten Hostien bei der Kommunionspendung ausgeteilt werden, dass also die von mir gehaltenen Wort-Gottes-Feiern als „priesterlose Eucharistiefeiern“ angesehen werden. Was stört mich daran?
Einerseits das Wort „priesterlos“. Ich weiß selbst und alle anderen, die mitfeiern, wissen auch, dass ich kein Priester bin; es ist aber anstrengend, immer wieder von dem her, was man nicht ist, definiert zu werden. (Ständige Begleiterscheinung meines Berufsstandes.) Würde ich also meine Gottesdienste gern „Eucharistiefeiern eines Pastoralassistenten“ nennen? Nein!
Weil ich andererseits (derzeit) keine Eucharistie im katholischen Sinn feiere und auch akzeptiere, dass sie den Priestern vorbehalten ist. Wenn es einmal möglich oder nötig werden wird, ja, dann kann ich mir vorstellen, mit einer Gemeinde, die ich gut kenne, Eucharistie zu feiern. (Aber das ist Zukunftsmusik.)
Ich muss zugeben, ich habe sogar (theologische) Schwierigkeiten mit der bisherigen Form der Wort-Gottes-Feiern (und habe das beim Feiern in den letzten Monaten auch gespürt, nämlich dass es nicht ganz stimmig ist für mich). Von der Liturgischen Kommission Österreichs wird empfohlen, keine Kommunion zu spenden. Bei uns (wie anderswo) ist es aber üblich, ist es Gewohnheit geworden. Es wird damit der Eindruck erweckt, wir bräuchten keine Eucharistie, die Kommunion kann auch so ausgeteilt werden. Voraussetzung, es sind genug gewandelte Hostien im Tabernakel. Priester können auch vor-wandeln…
Die vorgeschlagene Form, in der die Bibellesungen und das gemeinsame Gebet im Vordergrund stehen und keine Kommunion ausgeteilt wird, ist etwas, das wir in unserer Pfarre Marcel Callo in Auwiesen nicht gewohnt sind. Und es geht etwas zutiefst Christliches ab: das gemeinsame Essen des Brotes.
Brot. Nicht Hostien. Brot ist das Ursprüngliche. Bei den speziellen Gottesdiensten, für die gemeinsam Brot gebacken und dann geteilt wird (z.B. auf dem Firmwochenende), spüre ich und spüren andere schnell, hier geht es wirklich um den Alltag, um ein Stück Brot, das zum Leben dazugehört. Gottesdienst feiern heißt, den Alltag vor Gott bringen und uns und unseren Alltag dabei verwandeln zu lassen. Ein richtiges Stück Brot reicht, das zeichenhaft spürbar werden zu lassen.
Brot ist das Ursprüngliche. Jesus brach Brot(fladen) und teilte es (sie) aus. Die Urgemeinde hatte keine Hostien. Solange „Eucharistie“ stark mit „Hostien“ konnotiert ist, ist es ungefährlich (und sehr christlich), (auch) in einem „priesterlosen Gottesdienst“ (echtes) Brot zu teilen.
Veränderung liegt in der Luft. In Tirol feiern (einige wenige) Laien die Eucharistie. Wie schon erwähnt, kann ich mir das (derzeit) nicht vorstellen, ebenso wenig wie meine Gottesdienste „priesterlose Eucharistiefeiern“ zu nennen. Ich möchte bewusst dazu auf Distanz und in eine andere Richtung gehen. Veränderung liegt in der Luft. Ich werde probeweise „meine“ (= die einmal pro Monat von mir gehaltenen) Samstags-Gottesdienste in Auwiesen in veränderter Form feiern. Reduziert auf das Wesentliche, konzentriert auf das Wort Gottes (die biblischen Lesungen), Kommunionspendung exkludiert (= ohne Hostien), aber dafür Agape als Abschluss inkludiert. Eine schlichte Agape, wie wir sie z.B. von Hochzeiten kennen, mit Brot und Wasser/Wein. Gemeinsam essen und trinken stärkt und verbindet.
Ich habe das Arbeitsjahr bewusst mit dem Lesen der Apostelgeschichte begonnen. In der Apg wird uns überliefert, wie nach dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi Christsein vor Ort, in den Gemeinden, bzw. im großen Ganzen, lebbar war. In unseren Pfarren leben wir die Apostelgeschichte weiter.
Die Apg kennt auch Überlieferungen der damaligen Gottesdienste. Sie hatten noch keine streng fixierte Form wie heute, aber die Elemente sind die selben: Gemeinschaft, Predigt, Gebete, Brot brechen und essen. Man aß sich satt (vgl. Apg 27,36.38). Es konnte auch dauern: Bevor Paulus Troas verließ, waren sie am 1. Wochentag versammelt, um das Brot zu brechen. Paulus redete ewig lang, seine Predigt dauerte bis nach Mitternacht. Im Obergemach, wo sie sich befanden, brannten viele Lampen. (Heute zünden wir Kerzen an.) Endlich – nach einer eingeschobenen Wundererzählung – brach Paulus das Brot und aß, und dann redete er mit ihnen bis zum Morgengrauen (vgl. Apg 20,7-12).
Paulus war Jude und Pharisäer, dann wurde er auch Christ. Paulus war kein katholischer Priester.
Die Sonntagsgottesdienste werde ich (vorerst) wie gewohnt feiern, weil die große Feiergemeinde andere Formen schwieriger zulässt. Außerdem ist unser sonntägliches Pfarrcafé ein Ort, an dem sowieso Agape im weitesten Sinn gefeiert wird, im Zusammensitzen und Essen/Trinken unter Christinnen und Christen.
Gottesdienstfeiern ist nicht mein Privatvergnügen, und darum werde ich auch die Mitfeiernden um ehrliche Kritik, um Rückmeldungen und Vorschläge bitten. Gemeinsam werden wir in Auwiesen einen Weg finden, gut miteinander Gottesdienst zu feiern, lebensnah, schlicht, leicht zum Mitfeiern, christlich, und ohne zu merken, dass wir in dieser Stunde priesterlos sind.
Gartenfotos
Stavanger III
>>> Stavanger I und >>> Stavanger II
Tag 7 (11.8.): Nordseestrand Sola nähe Flughafen
Der erste Tag mit durchwegs gutem Wetterbericht sah uns am einzigen größeren Sandstrand Stavangers wieder, der sich in der Nähe des Flughafens befindet. Mit Linz-Hörsching zu vergleichen, flogen allerdings nicht allzu viele Flugzeuge über uns drüber. Badesachen hatten wir nicht mit, weil die Außentemperatur nicht dazu verleitete; Noah, Rebekka und ich wurden aber sehr schnell nass und so sprangen wir halb nackt in die Fluten. Sara, die sich freigenommen hatte, und Karina mieden das kühle Wasser.
Tag 8 (12.8.): Fjordstrand Vaulen
Der nächste Tag war schon frühmorgens traumhaft sonnig und warm und so fuhren wir – dieses Mal vorbereitet – zu einem halbsandigen Fjordstrand. Bei 17 °C Wassertemperatur (>>> aktuelle Tages-Wassertemperatur der Strände von Stavanger) war ich allerdings der einzige, der sich hinauswagte, schwamm und ins Wasser sprang. Erfrischend. Und bei so einem Panorama im Meer zu schwimmen, ist auch ein Erlebnis.
Tag 9 (13.8.): Leuchtturm und Fernsehturm
Zu Mittag genossen wir frische Shrimps; am Abend Lachs mit Zwiebel- bzw. Dillsauce. Wir essen hier genial gut, Sara & Adalbert kochen gerne und hervorragend, und wir alle essen und knabbern und naschen den ganzen Tag. Sonst standen u.a. noch am Programm: Asiatische Tofu-Pfanne, Tortillas mit div. Füllungen, 2x Grillen, Spaghetti mit selbstgemachtem Basilikum-Pesto, …
Gestern war’s wieder kühler und wenig sonnig, und so statteten wir einem (witzig kleinen) Leuchtturm und danach dem Fernsehturm mit Panoramaausblick einen nachmittäglichen Besuch ab.
Tag 10 (14.8.): Erdölmuseum
Den letzten Tag vor dem Heimflug – Tag 1 und Tag 11 waren/sind Flugtage – verbrachten wir u.a. im Erdölmuseum von Stavanger. Das spannenste Museum seit langem, in dem ich drin war! Auch unseren Kindern taugte es richtig, es gab einen eigenen Erdölplattform-Spielplatz IM Museum, Original-Tauchkapseln zum Reinklettern, Bohrinsel-Arbeiter-Anzüge zum Probieren, Modelle von Schiffen und Bohrinseln, einen kindergerechten 3D-Film darüber, wie Erdöl entsteht, usw.
Norwegen-Urlaub aus.
Stavanger – Graffiti und Street Art
Ein Teil meiner urlaublichen Streifzüge durch Stavanger widmete sich Graffiti und Street Art. Neben (teilweise idiotischer) Schmierereien (s. Bild Nr. 18) und Tags fand ich auch einige nette Pieces. Es sind nur kleine Teile der Stadt, die ich durchkämmte, und ich war unvoreingenommen. Links zu Seiten, die professioneller sich mit Street Art & Graffiti in Stavanger sich beschäftigen, finden sich unten. Anmerkungen zu meinen Fotos finden sich ebenfalls unten.
Locations:
- am Hafen / in der Innenstadt: 01-05, 15-25, 71-77, 80
- in der Altstadt: 06-07
- in der Nähe unseres Quartieres (nordwestlich vom Stadtzentrum): 08-14, 79, 81
- am Spielplatz beim Erdölmuseum: 26-38
- südöstlich vom Stadtzentrum: 39-70
- am Sandstrand nähe Flughafen: 78
(Meine dreistündige Graffiti-Tour: 17-77)
Meine Lieblinge:
- Hochhausstil (21-23)
- „Ice Ice Baby“ in einem Firmeninnenhof, in den ich beim Vorbeigehen zufällig reinschaute (40)
- „Nuclear babies make funny faces“ (44)
- Mona Lisas Hinterteil (72)
Links:
- Stavanger Daily Photo – Graffiti & Street Art-Beiträge eines täglichen Photo-Blogs
- Stavanger Graffiti – mit einer unaktuellen, aber qualitativen Foto-Gallerie (unaktuell wie die ganze Seite)
- Nuart 10 – da entdeckte ich einige meiner fotografierten Pieces wieder … enstanden scheinbar in einer konzentrierten Street Art Aktion im Jahr 2010





























































































































