Ich finde es einfach nur genial, dass mit Aylin Kösetürk eine Wienerin mit TÜRKISCHEN Wurzeln es geschafft hat, ÖSTERREICHS neues Topmodel zu werden. Ein erfreuliches Phänomen in unserem von Ausländerhass durchzogenen Land. Ich finde, es sollte mehr solcher Aylins bei uns geben! Ehrlich, ich finde ihren leicht ausländisch klingenden Akzent (der ihre tolle lupenreine deutsche Sprache verschönert) einfach nur genial!
(November,) Dezember und Jänner waren sehr arbeitsintensive Monate. Das hat sich auch hier bemerkbar gemacht, weil ich einfach nicht dazu kam, neue Beiträge zu schreiben; dabei passierte so viel, in Linz hatte es z.B. -16°C und mein Auto sprang fast nicht an, so dass mein Sohn einen Schreianfall bekam, weil er glaubte, er käme nicht mehr in den Kindergarten … Apropos Auto: Ich hatte meinen 1. Auto”unfall” und bin seitdem nicht gut auf Versicherungen zu sprechen. Eine Art von Dekadenz, die in unserem Land um sich greift, dieser ganze Zettelkram & Co., nur wegen eines minimalen Blechschadens …
Sehr viele jammern über Bürokratie – Polizei, Ärzte, Landwirte… – und wir zerstören uns damit die Spontaneität unseres Lebens … Milliarden von Stunden, die unsinnig im Strudel der vertanenen Zeit verschwinden …
Ich habe immer öfter den Eindruck, wir erschweren uns gegenseitig das Leben immer mehr; als ob wir bald in unserem System erstickten; dass wir das, was wir über viele Jahre hinweg erschaffen haben, nicht mehr im Griff haben, sondern “es” mit “seinem” “Eigenleben” uns im Griff hat …
Und dein Eindruck?
Für den Abschluss der „Novembermeditationen“ 2007 hatte ich mir (nach den eher schwermütigen) ein durchwegs angenehmes Thema ausgesucht – weil der November neben den schweren Seiten auch etwas Erfüllendes in sich birgt und auch den Ausblick,dass das, was abstirbt/vergeht, notwendig ist für neues Leben im neuen Jahr.
Im Spätherbst sind alle Zugvögel verschwunden. Sie haben ihr Sommerquartier verlassen, um in wärmere Gefilde zu fliegen. Wir können ihnen nur nachschauen, auf ihrem Weg in den Süden. In uns macht sich vielleicht die Sehnsucht breit, mitzufliegen, fort aus dem grauen Alltag …
Die Zugvögel werden im neuen Jahr zurückkommen. Und mit ihnen der Frühling und Sommer.
Zugvögel – sie verkörpern für mich die „Sehnsucht“.
Sehnsucht – ein weiter Begriff, ein Wort, das so offen ist, dass es alles umfängt, und vor allem das, was gerade nicht innerhalb bestimmter Grenzen abläuft.
Sehnsucht – wir sehnen uns nach vielem.
Sehnsucht … nach dem Ende der kalten Jahreszeit, nach Frühling und Sommer …
… nach Ruhe … wie uns sie Jesus verheißt:
„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28)
… nach Liebe …
… nach Wärme und Geborgenheit …
… nach einem erfüllten Leben …
… nach einem wunderschönen Ort – „Fernweh“ – …
… nach einem Menschen, der uns versteht …
Sehnsucht … nach Gott …
Sehnsucht nach dem, was wir nicht haben, kann uns auch bedrücken, aber meist ist die Sehn-sucht der stärkste Antrieb, der uns sogar dorthin führt, wo wir scheinbar nicht hin können …
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Wonach sehne ich mich? Wann spüre ich die Kraft der Sehnsucht in mir? Wohin hat sie mich schon geführt?
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Anschließend hörten wir Texte aus dem Buch „Sehnsucht” von Ulrich Schaffer.
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Für uns Christinnen und Christen ist die tiefste Sehnsucht die Sehnsucht nach Gott. – Psalm 42 ist ein Lied, das diese Sehnsucht treffend umschreibt:
Psalm 42
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann darf ich kommen
und Gottes Antlitz schauen?
Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht;
denn man sagt zu mir den ganzen Tag:
«Wo ist nun dein Gott?»
Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke:
wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar,
mit Jubel und Dank in feiernder Menge.
Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.
Betrübt ist meine Seele in mir,
darum denke ich an dich
im Jordanland, am Hermon, am Mizar-Berg.
Flut ruft der Flut zu beim Tosen deiner Wasser,
all deine Wellen und Wogen gehen über mich hin.
Bei Tag schenke der Herr seine Huld;
ich singe ihm nachts und flehe zum Gott meines Lebens.
Ich sage zu Gott, meinem Fels:
Warum hast du mich vergessen?
Warum muß ich trauernd umhergehen,
von meinem Feind bedrängt?
Wie ein Stechen in meinen Gliedern
ist für mich der Hohn der Bedränger;
denn sie rufen mir ständig zu:
«Wo ist nun dein Gott?»
Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.
Für einen November ist es derzeit bei uns in Österreich sehr, sehr warm. Ich merke, wie die Sonne, die meist noch wärmt, gut tut, im Vergleich zum Nebel, den wir heuer auch schon hatten. Auch wenn’s also kein “typischer November” ist, stelle ich weiterhin meine “Novembermeditationen” vom Jahr 2007 hier vor, heute Teil 3:
Je weiter der Sommer und dann der Herbst fortschreitet, desto früher beginnt es, dunkel zu werden. Und dann ganz plötzlich mit der Zeitumstellung. Mit einem Mal merke ich Jahr für Jahr, dass es jetzt endgültig bald Winter wird, dass die dunkle Jahreszeit angebrochen ist. Die Nächte dauern immer länger.
Nacht – es wird finster …
Nacht – die Dunkelheit legt sich über die Landschaft und über die Lebewesen, zumindest dort, wo wir Menschen uns nicht mit künstlichem Licht dagegen auflehnen.
Nacht – nichts ist mehr sichtbar, alles ist hinter einer schwarzen Wand wie verschluckt vom Nichts.
Die Nacht – sie fordert uns auf, uns schlafen zu legen, zu vertrauen, dass die Dunkelheit nicht ewig dauert.
Die Nacht – sie fordert uns auf, darauf zu vertrauen, dass diejenigen, die es für ihre Umtriebe gern dunkel haben, nicht das letzte Wort behalten.
Die Nacht – sie ist auch Metapher für das Dunkle in uns selbst, die Abgründe, die sich in jedem und jeder einmal auftun, die Ausweglosigkeit, die langsam kommen aber auch ganz plötzlich über einen hereinbrechen kann.
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Menschen (wie du und ich) stoßen in ihrem Leben immer wieder auf Schwierigkeiten, kleine wie größere und manchmal auch gewaltige Schwierigkeiten. … Oft sind es Situationen, mit denen wir nicht umgehen können. Sei es in der Partnerschaft, im Beruf, seien es Krankheit – oder Tod eines Freundes, einer Angehörigen …
Krisen, Lebenskrisen können entstehen. Ich traue mir fast zu sagen, jede und jeder hat zumindest einmal im Leben schon eine tiefe innere Krise erlebt oder erlebt sie gerade.
Wenn uns alles dunkel und sinnlos erscheint, befinden wir uns in einer „Nacht“. Eine solche Nacht ist die größte Herausforderung, die uns das Leben stellen kann.
Oder wir erleben uns selbst als Nacht. Dunkle Seiten tauchen in uns auf, Eigenschaften, Umgangsweisen, die uns vielleicht noch unbekannt waren, dunkle, düstere Gedanken … Sie tauchen auf und machen uns Probleme … Wir erleben die Nacht in uns …
Habe ich schon einmal Krisen durchlebt, in denen alles dunkel wurde? Oder haben meine dunklen Seiten in meinem Innersten mir zu schaffen gemacht, mir Angst gemacht?
Wo ging ich schon einmal durch die Nacht? Was ist an Gefühlen da, wenn ich daran zurückdenke? Wie bin ich herausgekommen?
Gehe ich gerade durch eine Nacht? Sehe ich noch Licht?
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Andererseits ist die Nacht, zumindest in der Mystik, auch ein kräftiges Symbol für Erfahrungen, die im Dunkeln ihren Ausgang nehmen, aber dann zu tieferen inneren Reifeprozessen führen, oder zu einer innigen Nähe Gottes.
Einer von denen, die sich intensiv mit der Erfahrung der Nacht auseinandergesetzt haben, war Johannes vom Kreuz. „Die dunkle Nacht“, wie er es nennt, „bezeichnet jene schmerzlichen Lebensphasen, in denen der Mensch scheinbar Gott nicht mehr „erfährt“. Gerade in solchen Zeiten kann er lernen, herzugeben und loszulassen, was sich in seiner „Frömmigkeit“ und in seinem Denken und Empfinden Gott und der Welt gegenüber als zu eng und zu unzulänglich erweist, …“1.
Die „dunkle Nacht“ ist für ihn Zeichen der tiefsten Zuwendung Gottes zu uns, ein Zeichen dafür, dass Gott uns zu größerer innerer Reife führen will, und gleichzeitig Herausforderung an uns selbst, mit der inneren Leere, der Trockenheit in uns, die die Nacht mit sich bringt, und mit der scheinbaren Gottferne umgehen zu lernen.
1 Johannes vom Kreuz. Die dunkle Nacht. Vollständige Neuübersetzung, hg.v. U. Dobhan OCD u.a. (Herder Spektrum 4374), Freiburg 1995, 15 (in der „Einführung“).
Aus meinen “Novembermeditationen” 2007, Teil 2:
Wenn ich im Sommer an den November denke, denke ich zuerst an Nebel.
Nebel – alles grau in grau, kalt und düster.
Nebel – wie Spinnweben, die sich über die Landschaft legen.
Nebel – für unser Auge bleibt vieles unsichtbar, verdeckt hinter einer harten grauen Wand oder einem hauchzarten Schleier.
Nebel – er legt sich auf unser Gemüt, kann uns belasten. In einem Gedicht, auf das ich gestoßen bin, wird das so ausgedrückt: „Nebelschwaden hüllen Dich ein / schleichende Melancholie – / das Herz klopft langsamer“1.
In dichtem Nebel sehen wir nicht, was vor uns liegt. Wir irren umher. Auf der Suche nach einem Weg, Schritt für Schritt.
Nebel – der Weg ins Ungewisse, der Weg im Ungewissen. Nebel ist Symbol für die eigenen Ungewissheiten, für die eigenen Zweifel, die eigenen Fragen.
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Hermann Hesse hat in seinem Gedicht „Im Nebel“ (http://www.hhesse.de/gedichte.php?load=imnebel) die menschliche Situation des Alleineseins sehr eingehend geschildert und mit dem Wandern im Nebel verglichen.
Einsamsein, Alleinesein ist der häufigste Anlass, sich Fragen zu stellen, Fragen über die Welt, Fragen über Gott, Fragen über die Mitmenschen und nicht zuletzt Fragen über sich selbst.
Dort, wo Fragen auftauchen, tauchen meist auf Zweifel auf. Dort, wo Fragen auftauchen, beginnt die Welt, mir nicht mehr ganz vertraut zu sein, unklar, dunkel zu werden.
Wann tauchen bei mir Fragen auf?
Nehme ich mir noch Zeit, manchmal in mich hineinzuhorchen, was in mir da ist?
Welche Fragen habe ich? …
Alltägliche? Tiefer gehende?
Fragen, die etwas in mir berühren? Die mich schmerzen?
Unbeantwortete Fragen?
Um es wieder in einem Bild zu sagen: Wo gehe ich durch den Nebel? Wo ist mein innerer Nebelschleier?
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Wir haben uns jetzt die dunklen Seiten des Nebels angeschaut, das verwirrende Dickicht, die „graue Suppe“, die uns oft nicht den ganzen Weg erkennen lässt, sondern nur ein Stückweit. Vielleicht sind wieder alte, lang nicht mehr gestellte Fragen aufgetaucht.
Ich persönlich finde es von Zeit zu Zeit gut, diesen alten Fragen auch nachzugehen, ihnen nicht auszuweichen.
Ich lade Sie / euch dazu ein, sich noch einmal Zeit zu nehmen, sich zu überlegen, wo Zweifel, Ungewissheit und all die Fragen auch ihre gewinnbringenden Seiten haben, so wie der Nebel auch als schön erlebt werden kann – Bergsteiger können das bestätigen, wenn sie im Herbst über die Nebelgrenze hinauf gehen und von oben auf den weißen Teppich hinabschauen, der das Land bedeckt.
Wo erlebe ich einen solchen Ausblick auf meinen persönlichen Nebelteppich?
Wo kann ich mir meine Fragen so in aller Ruhe, wie von oben herab anschauen?
Welche Fragen, die mir vorhin gekommen sind, beschäftigen mich schon lange?
Will ich mir einmal Zeit nehmen, sie zu beantworten?
Mit wem tausche ich meine Fragen aus?
Gibt es auch Fragen, die mich glücklich machen? Zum Beispiel: Die Frage nach mir selbst? Wann geht es mir mit mir selber gut? Was kann ich dafür tun?
1 Aus: „Goldener Herbst …“ von „Symphonie“ (Quelle: www.keinverlag.de).
Wie angekündigt, poste ich die Kernaussagen meiner “Novembermeditationen” vom Jahr 2007, beginnend mit der ersten zum Thema “Loslassen”:
Herbstliche Blätter – bunte Blätter in den verschiedensten Farben bietet diese Jahreszeit.
Herbstliche Blätter – eine Wohltat für die Augen.
Diese herbstlichen Blätter symbolisieren aber auch noch anderes: die Blätter fallen vom Baum, der Baum muss sie loslassen, die Blätter liegen dann am Boden, verwelken langsam, verlieren ihre Farbe, ihr prächtiges Aussehen – auch sie müssen loslassen.
Loslassen – Loslassen ist eine der großen Aufgaben der Natur im Herbst.
Loslassen, Abschied nehmen von der Fülle, die der Sommer und auch noch der frühe Herbst geboten haben, Loslassen von der Wärme der Leben spendenden Sonne, die v.a. im November oft nur mehr als milchige Sonnenscheibe am Horizont steht und nicht mehr wirklich wärmt.
Loslassen, Abschied nehmen, ist eines der großen Themen des Spätherbstes, und es zeigt sich am meisten im November.
Abschied, Sterben, Loslassen – in uns spiegelt sich oft das, was wir in der Natur vorfinden an Prozessen. Wir haben manchmal unseren eigenen Herbst, unseren eigenen November – der muss gar nicht mit der Jahreszeit zusammenfallen. Wir haben Phasen des Abschied Nehmens, des Absterbens (im übertragenen Sinne), des Loslassens.
Es sind schmerzhafte Phasen. Loslassen ist nicht leicht. Am wenigsten, wenn es einen geliebten Menschen betrifft, der gestorben ist, oder einen, der uns verlassen hat. Loslassen ist aber auch im Kleinen nicht leicht: Aufgaben oder Verantwortung loslassen, Erinnerungsstücke der Vergangenheit loslassen, oder die Lebenskraft nach und nach loslassen, wenn man älter wird.
Loslassen kann und muss ich vieles in meinem Leben.
Wo muss ich loslassen?
Wo kann ich loslassen?
Wo kann ich mich von etwas trennen?
Wo sehe ich positive Seiten daran?
Was kann ich dabei für mich gewinnen? An Lebendigkeit? An Freiheit? An Zeit?
Wo sind bei mir die bunten Farben der Blätter? Wo kann mein Loslassen Humus, Dünger werden für das, was folgt, was nachkommt?
Wo kann ich mich selbst loslassen? Mich verschenken an andere?
Zuerst ein Nachtrag zum gelben Herbst, der große Baum in unserem Innenhof, der im Sommer oft unsere Kinder auf ihrer Suche nach Ameisen, Käfern und Spinnen um ihn herum erleben durfte – click to enlarge:
Mittlerweile hat der November Einzug gehalten, die gelben Bäume in meiner Umgebung werden (wie die Sonnenstrahlen) weniger.
***
Vergänglichkeit: ein Thema, das jeden Herbst, jeden November wiederkehrt. Am Allerseelentag eine mir nahegehende Predigt gehört. Totkranke wissen, worauf es im Leben ankommt. Den Augenblick genießen. Wo, wann genieße ich den Augenblick wirklich? Schon, aber es gibt einiges, das ich loslassen würde, wenn man mir sagte, ich müsste in ein paar Wochen sterben.
Im November 2007 hielt ich sog. Novembermeditationen in der Pfarre Linz-Hlgst. Dreifaltigkeit. Die Jahreszeit, der November, als spiritueller Impuls, der direkt von der Natur kommt und mein Leben bereichern kann. – Ich werde die Kerninhalte der vier Meditationen in den nächsten Wochen hier posten. Abschied, Loslassen, …, Vergänglichkeit ist ihr Thema.
***
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR, dt. EuGh), dass Kruzifixe aus den Klassenzimmern Italiens verbannt gehören, weil ein Kreuz in Schulen gegen die Religionsfreiheit verstoße, hat zu einiger Aufregung und zu hitzigen Diskussionen geführt. Dass über christliche Symbole eifrig diskutiert wird, ist kein schlechtes Zeichen, habe ich doch den Eindruck, dass es Zeiten gab, in denen wir nicht über Religion sprachen im öffentlichen Diskurs.
Zwei Positionen prallen aufeinander, meist hört man ein entschiedenes Pro oder aber ein Contra. Ich für meinen Teil sammle Argumente für beide Seiten, eine Meinung kann sich jede(r) selber bilden (obwohl es scheinbar klar sein sollte, dass ich als Pastoralassistent die Pro-Kruzifix-in-den-Klassenzimmern-Haltung vertreten müsste):
Was spricht gegen Kruzifixe in den Schulen?
* Religionsfreiheit. Andersgläubige werden täglich unausweichlich mit Symbolen konfrontiert, die den Glauben einer bestimmten Gruppe wiederspiegeln. In einem Staat mit Religionsfreiheit könnte jede Religionsgemeinschaft ihr religiöses Symbol aufhängen; oder keine Gemeinschaft (aus Platzgründen J bzw. aus Respekt vor den Nichtglaubenden). – Die (gefährdete) Religionsfreiheit war auch die Begründung für das Urteil.
* Angst vor dem Kreuz. Kinder würden durch die Kruzifixe, durch das regelmäßige Schauen auf den geschundenen Corpus eingeschüchtert. Warum muss man sich in einer Zeit, in der in unseren Breiten die Todesstrafe verboten ist, einem Gefolterten und Gekreuzigten aussetzen?
Was spricht für Kruzifixe?
* Religionsfreiheit. Warum sollte eine Religionsgemeinschaft, die (zumindest dem Papier nach) die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung stellt, auf ihre religiösen Symbole in der Öffentlichkeit verzichten? (Religion ist ja nicht zuerst Privatsache, sondern eine gesellschaftlich-gemeinschaftliche Sache.)
* Umgang mit Symbolen. Symbole sind weit präsenter und haben eine weit stärkere Wirkung als uns oft bewusst ist. Symbole sind Lerngegenstände, Symbolerfahrung ist Lebenserfahrung. Symbole sind selbst verdichtete Erfahrung mit Wiedererkennungswert. Es schadet SchülerInnen nicht, wenn sei es auch im Klassenzimmer mit Symbolen zu tun haben.
* Herausforderung. Das Kreuz ist ein Symbol, das herausfordert, Fragen stellt, nämlich Fragen, die unmittelbar das Leben betreffen. „Es ist ein Kreuz“, ist eine Aussage, die wir täglich hören können. Unser Leben, unsere Entscheidungen, Wünsche, … werden durchkreuzt, wir leiden in unserer Welt. (Zumindest diejenigen leiden [zumindest hin und wieder], die sich dem Leben aussetzen und nicht auf einer Reich-und-schön-und-oberflächlich-Welle dahinschwimmen.) Das Kreuz weist darauf hin, stellt das Leiden noch einmal anders, symbolisch dar, ist Warnhinweis vor Überheblichkeit bei einem sorgenfreien Leben und ist Hoffnungszeichen für viele, die in ihrer Krankheit aus dem Glauben Kraft schöpfen.
„Im Europa des 21 Jahrhunderts gibt es nur noch die Kürbisse des Halloween-Festes, die wirklich wertvollen Symbole werden weggeschnitten.“ Das sagte an diesem Mittwoch Kardinalstaatssekretär Bertone am Rande eines Besuchs eines römischen Krankenhauses zum Kruzifix-Urteil.
(http://www.katholisch.at/content/site/home/article/44070.html?SWS=57eac397fbfdc46e634cb50da85d62bd)
Der Kürbis ist kein Symbol, das herausfordert.
* Keine Angst vor dem Kreuz. Das Kreuz ist als (verweltlichtes) Symbol schon so präsent, dass wir niemand sagen kann, es mache Angst. Wie viele haben schon ein Glitzerkreuz umgehängt! – hat jemand davor Angst?
* Kulturgut. In Österreich sind Kreuze wie Kirchen nicht wegzudenken aus dem Landschaftsbild. Bitte nicht entfernen, wir haben uns schon so daran gewohnt! (Vielleicht merkt jemand am ironischen Unterton, dass ich dieses „Argument“ nicht gelten lasse. Die „Kulturchristen“ haben meist nur vor dem Islam Angst und stehen sich’s deshalb so auf traditionelle Symbole.)
* Konkordat. In Österreich ist meines Wissens die Sache durch das Konkordat geregelt. (Allerdings weiß ich nicht, inwieweit der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte trotzdem derartige Gesetze beschneiden könnte. – Auch das ist kein wirklich überzeugendes Argument, aber doch auf der pro-Seite zu vermerken.)
Conclusio: Es kommt auf die Herangehensweise an, ob jemand pro oder contra Kruzifixe (in Schulklassen) ist. Ein Atheist wird meist sowieso dagegen sein, ein Bischof dafür. Subtiler: Geht jemand mit einem Vorverständnis der absoluten Religionsfreiheit und der strikten Trennung von Kirche und Staat an die Sache heran, wird das Urteil contra Kruzifixe ausfallen, geht aber jemand z.B. mit einem didaktischen Interesse an die Sache heran, könnte das Argument des Lernens am Symbol den Ausschlag für ein Dafürsein für das Aufhängen der Kruzifixe in Klassenräumen geben.
Ich persönlich denke, das Kreuz hat einen mehr-Wert.
Irgendwie kommt mir dieser Herbst so gelb vor (wie nie zuvor). Dazu ein paar Fotos von gestern aus meiner Wohn- und Arbeitsumgebung:






Bemerkenswerter Zufall, dass in diesem Herbst auch mit der FDP (bei den deutschen Bundestagswahlen) und der OÖVP (bei den oberösterreichischen Landtagswahlen) zwei “gelbe Parteien” erfolgreich waren. (Letztere – obwohl als “schwarz” angesehen – hat bei den Wahlplakaten wie auch im Logo stark eine gelbe Farbe untergebracht. Angeblich kam der Gelbton gut an.)




